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Archiv für Juli, 2011

Wann wird’s mal wieder richtig Sommer

So kann’s gehen. Aus gegebenem Anlass will ich Rudi Carrells Evergreen  Wann wird’s mal wieder richtig Sommer posten. Da google ich über das niederländische Original, gesungen von einem gewissen Gerard Cox, zwei Jahre vor Rudi. Und siehe da: Im Original geht es zwar auch um den Sommer, aber nicht um einen verregneten, sondern um einen güldenen Prachtsommer, der leider wieder vorbei ist. Das sagt schon der Titel ‘t Is Weer Voorbij Die Mooie Zomer (hier der Text zum Mitsingen).

Ich spare mir jetzt jegliches Philosophieren über den Unterschied zwischen deutscher und niederländischer Mentalität und sage nur soviel: Die Niederländer belegen im World’s Happiest Countries Index, in dem es um subjektiv empfundenes Glück geht, Platz 4, und die Deutschen Platz 33.

P.S. Was heißt eigentlich “ritselen”? Ist das was unanständiges?

Relativ bescheiden

Hübsche und erhellende Grafiken von Mediamatic, die zeigen, wie sich die Kulturkürzungen des niederländischen Kabinetts zu anderen Ausgaben verhalten:

Urban Gardening im Bellamytuin

Es mag Sommer sein, aber die niederländische Wohnungsbaubranche liegt schon seit geraumer Zeit im Winterschlaf und wartet auf bessere Tage. Mit ihr schlummert auch ein riesiges Stück Baugrund neben einer alten Tramremise im Stadtteil Oud-West, auf dem eigentlich 400 neue Wohnungen errichtet werden sollen. Da das in absehbarer Zeit wohl nichts wird, soll nun die Krise dort ihre eigenen Blüten treiben. Am vergangenen Samstag wurde auf dem Gelände der Bellamytuin eröffnet, bestehend aus einem Stück Rollrasen, zwei potenziellen Standplätzen für mobile Cafés und einem “urban gardening”-Projekt.

Vermutlich ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis das Wort “Zwischnnutzung” seinen Eingang ins Niederländische findet, ähnlich “Angstgegner”, “Ersatz”, “Fremdkörper” und nicht zuletzt “Wirtschaftswunder”.

Merkelbach

Für das kleine Sanssouci-Gefühl in Amsterdam: ein morgendlicher Kaffee auf der Terrasse des Restaurant Merkelbach im Herrenhaus Frankendael in Watergraafsmeer. Ah!

Türkische Grachten

Mannmannmann… Das Orange County Hotel in Kemer (Türkei) ist eine Amsterdam-Replik, aber mit Bergblick, deutlich höherer Außentemperatur und (hoffentlich) chlorhaltigerem Wasser.

via NL Architects

Laufgrabenbrücke

Fast unsichtbar, und genau deshalb so schön. Mehr muss man zur Laufgrabenbrücke von RO&AD, die das historische Fort de Roovere in West-Brabant zugänglich macht, gar nicht sagen.

Das Berlin von Amsterdam?

The Noord District’s Hip Rebirth titelt das Wall Street Journal heute und vergleicht Amsterdam-Noord mit Berlin: “still poor in parts perhaps, but sexier all the time.” Nun ja, der Vergleich hinkt natürlich gewaltig, aber als Kreuzkölln von Amsterdam würde ich meine neue Nachbarschaft schon durchgehen lassen. Jedenfalls gibt es hier eine ähnliche Bevölkerungsmischung aus zugezogenen Angehörigen der Kreativklasse, türkischen hangjongeren und blondierten, kettenrauchenden Muttis nebst übergewichtigem Fifi.

Mokum: A Guide to Amsterdam

A Guide to Amsterdam ist ein Buchtitel, der mich normalerweise nicht sonderlich neugierig machen würde. Das Wort Mokum vor dem Doppelpunkt macht die Sache schon etwas interessanter. Mokum ist jiddisch für “Stadt” und ein alter Spitzname von Amsterdam. Aha, hier soll vermittelt werden, dass es sich um ein Insiderwerk handelt. Obendrein wird das Buch von Archis verlegt und gehört zu einer Serie mit dem schönen Namen Never Walk Alonely Planet (die bislang nur einen einzigen anderen Band zählt, über Beirut of all places). Ich kaufe es also.

Wie sich herausstellt, ist Mokum: A Guide to Amsterdam weniger ein Reiseführer als ein Lesebuch über Amsterdam, mit Texten, die ähnlich gegen den Strich gebürstet sind wie die Aufmachung. Wo in anderen Amsterdam-Büchern der Grachtenring besungen wird, gibt es hier ein Kapitel über “The Unesco Trap” und eines über “The Expanded Museum of Amsterdam”. Man erhält aber auch Tipps zur Fahrradetikette und wie man seinem 7-jährigen Sohn mitten im Rotlichtviertel erklärt, was eine Prostituierte ist. Es gibt einen Spaziergang durch die Nachkriegsarchitektur von Amsterdam-West, einen (erfolglosen) Selbstversuch im Burka-Spotting und eine Übersichtsseite zum “public Dutch Design”, von Straßenlaternen bis Finanzamtsbriefumschlägen. Aufgelockert wird das alles von Infografiken und Fotoreportagen über Bäume im Bijlmer oder die heimische Herstellung von Apfelschnaps.

Manch ein Artikel wirkt etwas zu schülerzeitungshaft, und das Englisch lässt teils zu wünschen übrig. Aber im großen und ganzen ist das Buch recht unterhaltsam. Nur: Für wen ist es eigentlich gemacht? Vermutlich vor allem für Nicht-Niederländer, die frisch nach Amsterdam ziehen und auch sonst zur typischen Archis-Klientel gehören würden – Designer, Architekten, Künstler… Oder für Wiederholungstäter unter den Amsterdam-Besuchern, die die ausgetretenen Pfade schon kennen und sich auch mal ins Bijlmermeer trauen. Aber mich hat manches auch zum Grinsen gebracht. Und im Artikel über den Canta hab ich noch richtig was gelernt.

Dutch Design goes Duchamp

Das konnte ja nur in Holland erfunden werden, dem Land von plaskrul, plaszuil, urilift und anti-plasplaat: P-Tree, das baumfreundliche Pissoir. Die Designer und Produzenten nennen sich passenderweise Aandeboom.

via Dezeen

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