Archiv der Kategorie 'architektur'

Haus Bierings von Rocha Tombal

Am Sonntag brachte mich ein Autobahnabstecher nach Leidsche Rijn, das größte Vinex-Gebiet der Niederlande nahe Utrecht. Nur so, um mal wieder zu schauen, was sich dort tut. Das war ziemlich ernüchternd, denn wir landeten ausgerechnet im Viertel Terwijde, das ganz im Retrostil gebaut ist. Enge Sträßchen, nachgemachte Sprossenfenster, nostalgische Laternen – aber sobald man mal in einen Hinterhof schaut, ist es aus mit der Nostalgie, denn dort regieren die Sparmaßnahmen. Beinahe noch schlimmer (und das gilt für ganz Leidsche Rijn) ist das hierarchielose Straßennetz, das pur auf Anliegerverkehr ausgelegt ist. Fast hätten wir zwischen Brezelwegen, Parkstraßen, Sackgassen und Busspuren nicht mehr zur Autobahn zurückgefunden. Lost in Leidsche Rijn, oh je…

Ein Highlight gab es dann aber doch, und zwar das Haus Bierings von Rocha Tombal. Das skulpturale Holzhaus thront als einsame Schönheit mitten zwischen gesichtslosen Einfamilienhäusern – was auf den schicken Profifotos von Christian Richters natürlich mal wieder ausgeblendet ist, deshalb hier ein paar dilettantische Handy-Schnappschüsse.

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Rocha Tombal? Hatte ich noch nie gehört. Ich habe aber ohnehin den Eindruck, dass sich in letzter Zeit eine Zersplitterung der niederländischen Architekturszene vollzieht. Während die großen Stars fast nur noch im Ausland bauen und die mittelgroßen Büros es hauptsächlich den Projektentwicklern recht machen, werden die wirklich interessanten Projekte von unbekannten jungen Büros gebaut. Schade ist, dass sie danach oft wieder in der Versenkung verschwinden, weil kein entsprechender Folgeauftrag kommt. Hoffen wir mal, dass Rocha Tombal keine Eintagsfliege bleibt.

Dutch Profiles

Dass „Dutch Design“ inzwischen zur Marke geworden ist, brauche ich hier wohl nicht mehr breitzutreten. Aber hin und wieder kann mich das Designmarketing-Talent der Niederländer doch noch überraschen. Jüngstes Beispiel ist die Website Dutch Profiles, auf der man sich sehr professionell produzierte Filmchen über die Arbeit einiger niederländischer Designer und Architekten ansehen kann – von NL Architects bis Dick Bruna und von G-Star bis Jurgen Bey. Bisher stehen erst 16 Filme auf der Site, aber es sollen stetig mehr werden. Dahinter steht die neue Organisation DutchDFA, die zur Förderung der niederländischen Kreativwirtschaft gegründet wurde. Wie sagte doch Martí Guixé mal zu mir? „In Spanien werden wir nicht so gut vermarktet wie zum Beispiel niederländische Designer. Einem niederländischen Designer mit Talent steht die ganze Welt offen.“

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Stadskantoor Rotterdam

Die Shortlist für den Umbau des stadskantoor in Rotterdam ist bekannt. Dank des EU-Ausschreibungsverfahrens, das ein üppiges Umsatzminimum für die teilnehmenden Architekturbüros vorschrieb, stehen darauf keine Überraschungen, sondern fünf der üblichen Verdächtigen: OMA, Mecanoo, SeArch, Meyer en Van Schooten und Claus en Kaan.

Es hätte schlimmer, aber sicher auch spannender kommen können. Meyer en Van Schooten liefern mit ihrem Entwurf eine Neuauflage von Richard Meiers Rathaus in Den Haag, Mecanoo historisieren ein wenig, Claus en Kaan halten sich minimalistisch-bedeckt, SeArch warten mit grünem Wackelpudding auf.

Und dann wäre da noch der Beitrag von OMA. Kann sich noch jemand an die Bauwerke der Doozer aus der Kinderserie Die Fraggles erinnern?

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Ausstellungstipps

Hier mal wieder ein paar Hinweise auf Ausstellungen und Festivals im kommenden Herbst, von denen ich vermutlich bauchbedingt nur sehr wenige selber besuchen werde:

Internationale Architekturbiennale in Rotterdam, 25. September bis 10. Januar
Dutch Design Double in Amsterdam und Utrecht, 4. September bis 11. Oktober – mit viel mehr Veranstaltungen, als ich hier aufzählen könnte
Trailer Park im Kunstfort Vijfhuizen, bis 18. Oktober
Retreat im Fort Asperen bei Leerdam, kuratiert von Ben van Berkel, noch bis 20. September
Subjects von Niels van Eijck und Mirjam van der Lubbe, Textielmuseum Tilburg, bis 11. Oktober
Boer zoekt Stijl im (frisch vor dem Konkurs geretteten) Designhuis Eindhoven, bis 27. September
Gone with the Wind im Zuiderzeemuseum Enkhuizen, bis 22. November
Soft City, Stroom in Den Haag, 13. September bis 8. November

Mercatorplein

Allzu lange ist es nicht her, dass De Baarsjes eine no go area in Amsterdam war. Angeblich trauten sich Polizisten in den frühen neunziger Jahren nur in Begleitung von mindestens zwei Kollegen in den westlichen Stadtteil, in dem es immer wieder zu Ausschreitungen ausländischer Jugendlicher kam – habe ich mir mal erzählen lassen. Als ich selber in den frühen Zweitausendern dort wohnte, war das alles nur noch halb so schlimm, aber von der Gentrifizierung, die seither im Gange ist, war De Baarsjes damals noch weit entfernt. Nun wird die Gegend plötzlich fast schick: Die Wohnungsbaugesellschaften hübschen die Backsteinbauten aus den 30er Jahren auf, leerstehende Läden werden von Jungkünstlern und -designern übernommen, die Wohnungspreise sind ordentlich gestiegen, und im Straßenbild mischen sich unter Kopftücher und Dschellabas immer mehr Freitagtaschen und Bugaboos.

Der Mercatorplein war allerdings noch ein Überbleibsel aus den harten Zeiten. Die Einrichtung des Platzes stammt aus den Neunzigern und war abgesehen von ein paar Kirschbäumen wirklich völlig charmefrei. Komplett asphaltiert und mit einer unmotiviert hochstehenden Ecke versehen, unter der sich eine Tiefgarageneinfahrt befand, war Vandalismusresistenz offenbar einziges Gestaltungsziel. Kurz: Der Platz war eine Gummizelle im öffentlichen Raum.

Vor ein paar Tagen habe ich erstaunt festgestellt, dass er jetzt neu gestaltet wird. Plötzlich ist der halbe Platz umzäunt und liegt voller Baumaterial. Kurzes googeln hat ergeben, dass das neue Design vom Architekturbüro SeArch und Atelier Quadrat stammt und zumindest zum Teil recht ambitioniert aussieht. Immerhin wird ein neuer Pavillion gebaut und die Tiefgarageneinfahrt verändert, auch wenn der Rest des Platzes wohl ein silbernes Tablett für waaivuil (niederländisches Großstadtphänomen: herumwehender Müll, den niemand aufräumt) bleiben wird. Man darf gespannt sein.

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Hotel aus „Türkentaschen“

Ich werde leider nicht dabei sein, denn ich fahre morgen in Urlaub, aber zumindest hat es mich mal kurz, aber laut hinter dem Computer auflachen lassen: Am Freitag eröffnet auf dem Inselchen im Oosterdok hinter dem Arcam ein temporäres Hotel, das ganz aus „Türkentaschen“ gebaut ist. Gemeint sind diese blau-rot-karierten Plastiktaschen, in die so unglaublich viel reinpasst.

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Das mag zunächst etwas politisch inkorrekt klingen, aber es ist durchaus ernst gemeint. DUS Architects haben die Hütte als Plädoyer für informelle, spontane Architektur entworfen, nach dem Modell türkischer geçekondus.

Der Aufenthalt im Hotel ist übrigens kostenlos, muss aber reserviert werden. Die Eröffnung mit DJ und Snacks findet am 24.7. um 17 Uhr statt.

Pier von Scheveningen

Und wieder einmal wird ein Klassiker der Spätmoderne dran glauben müssen. Der Stadtrat von Den Haag will den Pier von Scheveningen, 1955-1959 von Hugh Maaskant entworfen, bis zur Unkenntlichkeit umbauen. Da fragt man sich einerseits, wieso das Gebäude nicht zu den 80 „jungen Monumenten“ in Den Haag gehört, und andererseits, ob man es dann nicht lieber in Würde abreißen sollte. Denn wie das Rendering demonstriert, soll es in einen Clownsanzug gesteckt werden, der aus allen möglichen Spektaktelarchitektur-Versatzstücken der letzten Jahre zusammengeflickt ist. Damit hofft der etwas schrottige und billige Küstenort Scheveningen (Kurhaus hin oder her) endlich mehr Klasse zu bekommen. Ach herrje.

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Goldfischhotel

„Wenn es eine Krise gibt, sind die Architekten immer als erste betroffen und als letzte wieder erlöst“, meinte neulich ein Bekannter. Angesichts des großen Architekturbüroschrumpfens, das sich gerade um mich herum breitmacht, dürfte er recht haben.

Nun heißt es also ungewöhnliche Aufträge zu finden, die trotz Krise realisiert werden und Schlagzeilen machen. VEDD Architecten ist das zweifellos gelungen. Gestern wurde am Flughafen Schiphol das erste Goldfischhotel der Welt nach Entwurf des Büros eröffnet. Jawohl, ein Goldfischhotel. Nein, es ist nicht der erste April.

Wer seine Reise beim Veranstalter D-Reizen gebucht hat, darf seinen Goldfisch im Hotel unterbringen, während Herrchen im Urlaub ist. Dort mangelt es dem Tierchen an nichts, denn das Hotel bietet allen Luxus, inklusive „Tennisbahn, Schwimmbad mit Rutsche und Restaurant“. Naja, wenn’s den Architekten einen Auftrag gebracht hat…

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Perserteppich

Stehe ich mit dieser Assoziation allein auf weiter Flur oder erinnert die Fassade dieses neuen Wohnblocks von Dick van Gameren in Amsterdam-Slotervaart irgendwie an orientalische Teppiche? Würde jedenfalls gut in die Nachbarschaft passen. Aus der Nähe betrachtet erweisen sich die vermeintlichen Perserteppiche übrigens als vorgefertigte Betonpanele, in die Muster aus Backsteinen eingelegt sind. Der ewige niederländische Backstein wird also zum reinen Ornament umfunkioniert. Originelle Idee.

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Robin Hood Gardens

Hier ein erstes Resultat meiner London-Reise im März: eine Baunetzwoche über Robin Hood Gardens (pdf), die höchst umstrittene und vom Abriss bedrohte brutalistische Wohnanlage von Alison und Peter Smithson in Poplar, die ich vor Ort gar nicht mal so brutal fand, wie ich sie mir vorgestellt hatte.

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Fotos: Allard van der Hoek

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