Archiv der Kategorie 'kunst'

Ausstellungstipps

Hier mal wieder ein paar Hinweise auf Ausstellungen und Festivals im kommenden Herbst, von denen ich vermutlich bauchbedingt nur sehr wenige selber besuchen werde:

Internationale Architekturbiennale in Rotterdam, 25. September bis 10. Januar
Dutch Design Double in Amsterdam und Utrecht, 4. September bis 11. Oktober – mit viel mehr Veranstaltungen, als ich hier aufzählen könnte
Trailer Park im Kunstfort Vijfhuizen, bis 18. Oktober
Retreat im Fort Asperen bei Leerdam, kuratiert von Ben van Berkel, noch bis 20. September
Subjects von Niels van Eijck und Mirjam van der Lubbe, Textielmuseum Tilburg, bis 11. Oktober
Boer zoekt Stijl im (frisch vor dem Konkurs geretteten) Designhuis Eindhoven, bis 27. September
Gone with the Wind im Zuiderzeemuseum Enkhuizen, bis 22. November
Soft City, Stroom in Den Haag, 13. September bis 8. November

Hotel aus „Türkentaschen“

Ich werde leider nicht dabei sein, denn ich fahre morgen in Urlaub, aber zumindest hat es mich mal kurz, aber laut hinter dem Computer auflachen lassen: Am Freitag eröffnet auf dem Inselchen im Oosterdok hinter dem Arcam ein temporäres Hotel, das ganz aus „Türkentaschen“ gebaut ist. Gemeint sind diese blau-rot-karierten Plastiktaschen, in die so unglaublich viel reinpasst.

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Das mag zunächst etwas politisch inkorrekt klingen, aber es ist durchaus ernst gemeint. DUS Architects haben die Hütte als Plädoyer für informelle, spontane Architektur entworfen, nach dem Modell türkischer geçekondus.

Der Aufenthalt im Hotel ist übrigens kostenlos, muss aber reserviert werden. Die Eröffnung mit DJ und Snacks findet am 24.7. um 17 Uhr statt.

Guy Tillim im Foam

Endlich mal wieder eine richtig gute Ausstellung in Amsterdam: „Avenue Patrice Lumumba“ von Guy Tillim im Foam. Verfallene Utopien der Moderne in Mozambique, im Kongo und auf Madagaskar sind das Thema dieses Projekts des südafrikanischen Fotografen Guy Tillim. Bröselnder Beton trifft auf wucherndes Unkraut, im Rathaus starren die Beamten melancholisch durch dreckige Fensterscheiben, bunte Wäsche hängt über die verrotteten Balkonbrüstungen eines ehemaligen Grand Hotels. Die Ausstellung läuft noch bis 30. August. Ach ja, Strandfotos von Massimo Vitali gibt es gleichzeitig auch zu sehen, aber so gerne ich sie sonst mag, wirken sie im Vergleich zu Tillims Bildern ziemlich harmlos.

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Guy Tillim, Avenue Bagamoyo, Beira, Mozambique, 2008

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Guy Tillim, Apartment building, Avenue Bagamoyo, Beira, Mozambique, 2008

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Guy Tillim, Apartment building Avenue Kwame Nkrumah, Maputo, Mozambique, 2007

PIG 05049

Zugegeben, ganz frisch ist das Buch nicht mehr, aber ich bin endlich im Besitz einer Ausgabe von PIG 05049 von Christien Meindertsma. Für dieses Projekt hat die Designerin drei Jahre lang recherchiert, in welchen Produkten etwas vom Schwein enthalten ist und das ganze dann grafisch sehr schön aufbereitet. Dabei ist – Achtung, platter Wortwitz – ein ziemlich dicker Schinken herausgekommen. Es ist schon mehr als erstaunlich, wieviel Verwertbares in einem einzigen Schwein steckt. Hinter dem hautfarbenen Cover von PIG 05049 verbirgt sich eine ganze Welt an Schweinehaltigem, von Kaugummi über Porzellan und Zigaretten bis hin zu Shampoo und Biodiesel. Unglaublich, und vermutlich der Albtraum jedes Vegetariers. Bei We make money not art kann man die Hintergrundgeschichte des Projekts nachlesen.

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Turing-Preis

„Stedelijk Museum gewinnt ersten Turing-Preis“, konnte man heute in Het Parool lesen. Wie meinen? Hat das Stedelijk aus Frust über seine Nichtpräsenz im Kulturbetrieb jetzt beschlossen, auf Forschungen zur künstlichen Intelligenz umzusatteln? Nein, wenn man weiterliest, stellt sich heraus, dass es sich um einen neuen niederländischen Ausstellungspreis handelt, der mit üppigen 450 000 Euro dotiert ist. Aber für welche Ausstellung bloß, denn das einst wichtigste niederländische Museum für zeitgenössische Kunst ist doch bis zur Eröffnung seines Neu-Altbaus eingemottet? Der Preis gilt einer Ausstellung, die es noch gar nicht gibt, nämlich einer Soloschau von Mike Kelley, die nächstes Jahr stattfinden soll. So Gott, das Baubudget und die Generalunternehmer wollen. Reine Vorschusslorbeeren also.

Übrigens ist die Turing Foundation tatsächlich nach Alan Turing benannt. Er ist einer der großen Helden von Pieter Geelen, seines Zeichens Gründer des Navigationssystem-Herstellers TomTom. Aus dessen Börsengang werden Stiftung und Preis finanziert.

In Almost Every Picture 7

Die Buchserie In Almost Every Picture, zusammengetragen und herausgegeben vom Amsterdamer Werbeagentur-Besitzer Erik Kessels, dürfte inzwischen hinlänglich bekannt sein. Angefangen hat alles mit einem Satz Urlaubsfotos, die ein unermüdlicher Mann in den fünfziger Jahren machte und die Kessels irgendwann auf einem Flohmarkt in Barcelona fand. Auf so gut wie jedem Bild posiert die Gattin vor Urlaubskulisse – amateuristisch, aber dafür umso rührender. In ihrer Serialität wirkt die Fotosammlung fast wie Konzeptkunst.

Nun kommt bereits der siebte Band von In Almost Every Picture heraus, und er verspricht großartiges. Dieses Mal ist es keine unbewusste, sondern eine sehr bewusste Serie. Die Künstlerin Ria van Dijk fotografiert sich seit 1936 (!) regelmäßig am Schießstand auf dem Jahrmarkt. Die Kamera wird immer dann automatisch ausgelöst, wenn sie ins Schwarze trifft. Hier gibt es eine ganze Reihe der Fotos zu sehen. Zu schön, wie Ria immer dieselbe Haltung und denselben Gesichtsausdruck annimmt, sich aber sonst alles, von ihrem Alter bis hin zu den Frisuren der Zuschauer und der Standeinrichtung, allmählich verändert.

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Breda, Juli 1953

Buch bestellen? www.kesselskramerpublishing.com

Ausstellungstipps

Hoffen wir mal, dass das Osterwetter gut wird. Falls nicht, hier ein paar noch ungetestete, aber sehr vielversprechende Ausstellungen:

- David Claerbout in De Pont, Tilburg, bis 28. Juni
- Guido van der Werve in De Hallen, Haarlem, bis 1. Juni
- Archaeology of the Future im Designhuis, Eindhoven, bis 31. Mai
- Gone with the Wind im Zuiderzeemuseum, Enkhuizen, bis 22. November

Klar, mal wieder nichts davon in Amsterdam, sondern alles in der Provinz. Allmählich gewöhnt man sich schon fast daran.

Cyprien Gaillard

Leider, leider werde ich diese Ausstellung verpassen. Aber vielleicht hat ja der eine oder andere Leser noch Zeit, bis zum 6.4. nach Den Haag zu fahren?

Denn im Kunstzentrum Stroom sind Werke des französischen Künstlers Cyprien Gaillard ausgestellt, die auf der Website höchst vielversprechend aussehen. Beton Belvedere heißt die Schau, in der es um zeitgenössische Ruinen und den Verfall modernistischer Architektur geht. Dazu gehören Landschaftszeichnungen im Stil des 17. Jahrhunderts inklusive Wohnmaschine, Fotos vom (übrigens wirklich großartigen!) Sighthill Cemetery in Glasgow, aber auch eine Installation am Strand von Scheveningen, für die Gaillard einen Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg, der normalerweise unter Sand verborgen ist, zeitweise ausgebuddelt hat.

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Cyprien Gaillard, Belief in the Age of Disbelief, 2005

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Cyprien Gaillard, View over Sighthill, 2008
Fotos: Laura Bartlett Gallery, London

Wohlfühlkunst

Im Boijmans Museum in Rotterdam läuft bis zum 10. Mai die Ausstellung Elixir von Pipilotti Rist. Eigentlich ist es weniger eine Ausstellung als eine große Installation, die sich über mehrere wabernde Räume ausbreitet, umgeben von weißen Ado-Gardinen (ohne Goldkante).

In jedem Raum ist eine von Rists typisch knallbunt-psychedelischen Videoprojektionen zu sehen, untermalt von sphärischer Musik. Die meisten Filme werden an die Decke projiziert, und als Besucher muss man sich auf hochflorigem Teppich oder einem Bett ausstrecken, um sie zu sehen.

Das wirkt ungefähr so entspannend wie ein Nachmittag in der Sauna und ist gestressten Seelen sehr zu empfehlen. Was ich inhaltlich davon halte, weiß ich nicht so recht. Aber schön ist es schon.

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Maarten Wetsema

William Wegman und seine Weimeraner sind kalter Kaffee,  hier kommt Maarten Wetsema. Nicht dass ich Tierfotos sonst viel abgewinnen könnte, aber diese sind einfach zu gut.

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via Coolhunting

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