Archiv der Kategorie 'reise'

Gesellige Gastronomie

Im NRC Handelsblad vom vergangenen Samstag gab es einen interessanten Artikel über den Tourismussektor in den Niederlanden. Einigen Diagrammen ließ sich beispielsweise entnehmen, dass Besucher aus Deutschland, Großbritannien, USA, Belgien und Frankreich sich allesamt auf das Niederlande-Klischee „Tulpen, Mühlen, Holzschuhe“ einigen können, während vor allem Amerikaner, Briten und Franzosen das Land auch mit „Architektur und Design“ identifizieren. Bemerkenswert war jedoch vor allem, dass nur die Amerikaner mehrheitlich finden, das kulinarische Angebot in den Niederlanden habe sich verbessert.

Ach ja, die Niederlande und das Essen… Vielsagend ist in diesem Zusammenhang, was Frank Heemskerk, seines Zeichens Staatssekretär für Wirtschaft, im selben Artikel über seine Heimat sagt. „Man kann hier sehr nette Dinge unternehmen: radfahren, wandern; es gibt fantastische Museen, schöne Strände und eine gesellige Gastronomie.“ Gesellige Gastronomie? Ja, denn Geselligkeit ist es, was für den Niederländer im Restaurant zählt – nicht etwa gutes Essen. Wenn man das mal kapiert hat, erklären sich die schluffigen Studenten-Kellner und kulinarischen Fehlgriffe fast von selbst.

Robin Hood Gardens

Hier ein erstes Resultat meiner London-Reise im März: eine Baunetzwoche über Robin Hood Gardens (pdf), die höchst umstrittene und vom Abriss bedrohte brutalistische Wohnanlage von Alison und Peter Smithson in Poplar, die ich vor Ort gar nicht mal so brutal fand, wie ich sie mir vorgestellt hatte.

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Fotos: Allard van der Hoek

City Visions

Die halbe letzte Woche habe ich in Belgien verbracht, genauer gesagt in Mechelen, wohin mich eine Konferenz vom Berlage Institut lockte. Es ging um mittelgroße europäische Städte und wie sie ihre Stadtentwicklung vorantreiben können, ohne sich schlicht eine Starchitektur-Ikone à la Gehry oder Calatrava ans Revers zu heften.

Das Berlage Institut hat aus diesem Anlass eine empfehlenswerte Ausstellung namens History and Future of the European City in einer alten Fußgängerunterführung vor dem Bahnhof von Mechelen eingerichtet. In großen Leuchtkästen werden Fotos, Karten und Hintergrundinfos über Mechelen, Bordeaux, das tschechische Pilsen und das slowakische Kosice gezeigt, also jene Städte, mit denen sich die Konferenz beschäftigte und mit denen sich auch eine längere Studie unter dem Titel City Visions auseinandersetzen wird.

In der ruppigen Unterführung sah das sehr dekorativ aus. Sehr dekorativ ist auch die St. Rombouts-Kathedrale auf dem Grote Markt sowie das Konferenzzentrum Lamot in einer alten Brauerei, die  vom belgischen Büro 51n4e umgebaut wurde.

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grotemarkt

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Krater

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Fahrradständer mit Poesie im nordholländischen Dorf Groet.

Wörtliche Übersetzung:
„Socken voller Sand
Haare steif vom salzigen Wasser
Ein östlicher Nachbar gräbt seinen Krater
Auch das ist der Nordseestrand“

Der östliche Nachbar ist natürlich ein Deutscher und der Krater seine Strandkuhle. Strandkuhle? Aus irgendeinem Grund hält sich in den Niederlanden hartnäckig die Legende, alle Deutschen grüben sich am Strand Kuhlen, in die sie sich dann legten. Persönlich habe ich das, ehrlich gesagt, noch nie gesehen. Oder bin ich so deutsch, dass ich eine Kuhle nicht einmal als solche erkenne?

Diseño español/Dutch design

Letzte Woche war ich auf einer Recherchereise in Spanien, daher die lange Stille.

Was hab ich dort gelernt? Dass es spanische Taxifahrer gibt, die eine große Liebe zu friesischen Pferden hegen, dass zwei Krisen schlimmer sind als eine, dass ein ordentlicher cortado Gold wert ist, dass Valencia dringend zum Calatrava-Brasilia werden will (und ich nicht weiß, ob das eine gute Idee ist). Und dass die Holländer beim Designmarketing etwas richtig machen.

Gutes Design gibt es in Spanien zuhauf, aber die Designszene ist, wie jemand treffend feststellte, „atomisiert“. Jeder kocht sein eigenes Süppchen. Und dann ist da natürlich das Problem der verschiedenen Regionen. Auf meine Frage, ob er sich als spanischen Designer betrachte, antwortete Martí Guixé (wie zu erwarten) entrüstet: „Ich bin kein Spanier. Ich bin Katalane.“ Gut, ist er dann ein katalanischer Designer? „Nein, ich komme aus Barcelona. Typisch katalanisch ist höchstens mein Humor.“ Und es kam noch besser: „Ich will auch kein Zugpferd für andere Designer sein, nur weil sie zufällig ebenfalls Spanier sind.“ Spanisches Design existiert nicht, war das Fazit des Gesprächs mit Guixé, Lagranja und zwei Mitarbeitern des Estudio Mariscal.

Das ist vor dem kulturellen und historischen Hintergrund Spaniens verständlich, aber mir wurde dabei auch mal wieder klar, wie effizient die Marke Dutch Design eigentlich ist. Denn genau das ist das holländische Design ja inzwischen, eine Marke mit klar umrissenem Image. Die Zutaten des Dutch Design sind Konzeptionalität ohne Intellektualität, Pragmatik ohne Funktionalismus, Ästhetik ohne guten Geschmack und ein Humor, der manchmal haarscharf an Witzigkeit vorbeischrammt. Wer sich als niederländischer Designer damit halbwegs identifizieren kann, darf Mitglied im Club werden und profitiert vom Renommé eines etablierten Labels.

Aber vielleicht ist das auch nur typisch für ein kikkerlandje, das zehnmal in die Fläche Spaniens passen würde und zwangsläufig viel weniger kaleidoskopisch ist. Wobei, wenn man an Belgien denkt… Aber das führt jetzt zu weit.

CitizenM

In der März-Ausgabe des MD Magazin ist ein Artikel von mir über das Hotel CitizenM (pdf) am Flughafen Schiphol erschienen. Fazit: Wenn die Amsterdamer Hotels mal wieder überbucht sind, ist eine 14 Quadratmeter große“luxury budget“-Raumkapsel  gar keine schlechte Wahl. Wirklich interessant wird es aber erst, wenn demnächst die zweite Filiale in besserer Lage, nämlich an der Beethovenstraat eröffnet.

Gesamtkunstwerk mit Großwild

Auf der Stylepark-Website ist gerade ein Artikel von mir über Gio Pontis Villa Planchart in Caracas erschienen. Er trägt den schönen Titel Gesamtkunstwerk mit Großwild.