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Posts from the ‘reise’ Category

Neues von architour: offene Touren

Danke, koelnarchitektur.de! Das Webportal hat gestern einen schönen Artikel über mich und architour veröffentlicht. Diese Gelegenheit nutze ich, um gemeinsam mit koelnarchitektur.de am 23. Juni eine offene Halbtagestour durch den neuen Inselstadtteil IJburg anzubieten. Start ist um 11.30 Uhr an der Centraal Station, Ende ebendort um 16.30 Uhr. Preis: 40 Euro pro Nase, Anmeldung bei info(at)architour.nl. Die Tour findet statt, wenn sich mindestens zehn Teilnehmer finden. Also bitte zahlreich anmelden!


Blok 64 auf IJburg von Loos Architects

Außerdem bieten wir seit Kurzem via rent-a-guide.net jeden Freitagnachmittag einen zweistündigen Spaziergang über die Östlichen Hafeninseln an. Preis: 20 Euro, Anmeldung über rent-a-guide.net.

Beas Wartesaal

Manchmal kann man sich schon fragen, was die niederländische Bahn so reitet. In den letzten Wochen musste mal wieder ein Sonderfahrplan eingesetzt werden, weil es – Überraschung! – Winter war und ein wenig Schnee fiel. Täglich fielen zig Züge aus und mussten jede Menge Fahrgäste in der Kälte warten. Und genau in diesem Moment kommt die NS auf die Idee, ein 360°- Foto des königlichen Wartesaals im Amsterdamer Hauptbahnhof ins Internet zu stellen.

Da kann man sich in aller Ruhe ansehen, in was für einem kuscheligem Interieur Bea & Co auf den Zug warten – wenn sie denn überhaupt mal mit der Bahn fahren. Glasmalerei, Holzvertäfelung, Landschaftsfries, Perserteppiche und schmiedeeiserne Kronleuchter machen das Zeittotschlagen doch gleich viel erträglicher.

Nur eins ist nicht zu sehen: die königliche Toilette. Aus zuverlässiger Quelle weiß ich, dass zum königlichen Wartesaal auch ein Thron aus weißblauem Delfter Porzellan gehört.

Zurück aus Dubai

Eigentlich wollte ich nie nach Dubai. All das Aufhebens um größere, schnellere, teurere Gebäude interessierte mich nicht im geringsten. Jetzt komme ich gerade zurück vom alljährlichen Treffen des Guiding Architects Network – aus Dubai und Abu Dhabi.


Skyline mit Scheichs

Nein, ich habe meine Meinung nicht geändert, muss aber zugeben: gelangweilt habe ich mich auch nicht. Dubai ist wie ein Architektur-Horrorfilm: gruselig, aber auch höchst unterhaltsam. Wie erwartet, ist alles zu groß, zu teuer, zu schnell und zuviel.

Spannend war der Kontrast zwischen Dubai, wo nach dem Boom inzwischen die Krise ausgebrochen ist, und Abu Dhabi, wo der Boom gerade erst loszugehen scheint.

Übrigens gibt es in Dubai – obwohl natürlich alles mindestens zehnmal größer ist – durchaus einige Parallelen zu den Niederlanden, von der Händlermentalität der Einheimischen über künstliches Land und vinexhafte Wohnsiedlungen bis hin zum Bauen auf Pfählen und pfannkuchenflacher Landschaft. Besonders all die von Hochspannungsmasten durchzogenen Wüstengrundstücke, auf denen eigentlich längst der Bau irgendeines Gigaprojektes starten sollte, sehen dem Neuland von IJburg kurz vor Baubeginn oft zum Verwechseln ähnlich.


IJburg oder Dubai?

Im Gegensatz zum zerfransten Wildwuchs von Dubai hat Abu Dhabi sogar so etwas wie ein Zentrum, in dem ein wenig Urbanität aufkommt. Extrem skeptisch bin ich allerdings bei Norman Fosters Ökoprojekt Mazdar City. Mit dem Hummer in die Tiefgarage fahren, um dann die letzten 100 Meter im Elektroshuttle zurückzulegen? Ich weiß ja nicht…

Nach fünf Tagen kontinuierlichen Kopfschüttelns (teils aus Entsetzen, teils aus Staunen) hat mich nun das kikkerlandje wieder und fühlt sich auf einmal sowas von authentisch an. Wer hätte das gedacht.


Dubai


Abu Dhabi


Blick vom Burj Khalifa

Eislaufen auf den Grachten

Es darf eisgelaufen werden! Die Amsterdamer Grachten sind freigegeben. Ich schnappe jetzt meine Schlittschuhe und verschwinde…

The Exchange, Stock und Options

Besucher, die mit dem Zug in Amsterdam ankommen und vom Bahnhof aus zu Fuß in Richtung Dam gehen, erwartet kein sehr erbaulicher Spazierweg. Während auf der linken Straßenseite ein Hafenbecken und die Berlage-Börse liegen, säumen ramschige Souvenirläden, Spielhallen, Billighotels und Fastfoodrestaurants die rechte Seite – auf der der breite Fußweg verläuft.

Jetzt gibt es aber wenigstens einen einzelnen Lichtblick in all dem haschparfümierten Neonschrott. Denn auf halbem Weg zwischen Bahnhof und Dam hat das Lloyd Hotel einen Ableger namens The Exchange eröffnet, dessen 61 Zimmer von Studenten des Amsterdam Fashion Institute ausgestattet wurden. Ebenso wie im Mutterhaus, haben die Zimmer 1 bis 5 Sterne. Das wäre für Passanten noch nicht allzu spannend, aber im Erdgeschoss des angrenzenden Gebäudes führen die Hotelbetreiber außerdem ein designiges Café-Restaurant namens Stock und nebenan einen Laden namens Options, in dem es allerlei Designobjekte vom Schal bis zum Stuhl gibt. Eigentlich ist dort so ziemlich alles versammelt, was in den letzten Jahren durch die Designblogs geisterte, wobei der Schwerpunkt deutlich auf niederländischem Design liegt. Der Droogshop wird sich warm anziehen müssen.

Schwarzfahrer

Was ist typisch für deutsche Touristen? Dass sie sich beschweren, wenn jemand nett zu ihnen ist.

Ein Grüppchen deutscher Männer steigt beim Muziekgebouw in die Straßenbahn. Einer von ihnen hat kein Ticket und mogelt sich am Schaffner vorbei – der das durchaus bemerkt, aber nichts sagt. “Da nehmen die lieber hunderttausend Schwarzfahrer in Kauf, als ihren Job richtig zu machen”, meckert einer der Männer so laut, dass die halbe Bahn es hört. “Das gäb’s bei uns nicht.”

Met vakantie…

Ich verabschiede mich hiermit für drei Wochen aus den nasskalten Niederlanden ins feuchtwarme Malaysia und werde im September wieder auf Sendung sein. Tot ziens!

Das Berlin von Amsterdam?

The Noord District’s Hip Rebirth titelt das Wall Street Journal heute und vergleicht Amsterdam-Noord mit Berlin: “still poor in parts perhaps, but sexier all the time.” Nun ja, der Vergleich hinkt natürlich gewaltig, aber als Kreuzkölln von Amsterdam würde ich meine neue Nachbarschaft schon durchgehen lassen. Jedenfalls gibt es hier eine ähnliche Bevölkerungsmischung aus zugezogenen Angehörigen der Kreativklasse, türkischen hangjongeren und blondierten, kettenrauchenden Muttis nebst übergewichtigem Fifi.

Mokum: A Guide to Amsterdam

A Guide to Amsterdam ist ein Buchtitel, der mich normalerweise nicht sonderlich neugierig machen würde. Das Wort Mokum vor dem Doppelpunkt macht die Sache schon etwas interessanter. Mokum ist jiddisch für “Stadt” und ein alter Spitzname von Amsterdam. Aha, hier soll vermittelt werden, dass es sich um ein Insiderwerk handelt. Obendrein wird das Buch von Archis verlegt und gehört zu einer Serie mit dem schönen Namen Never Walk Alonely Planet (die bislang nur einen einzigen anderen Band zählt, über Beirut of all places). Ich kaufe es also.

Wie sich herausstellt, ist Mokum: A Guide to Amsterdam weniger ein Reiseführer als ein Lesebuch über Amsterdam, mit Texten, die ähnlich gegen den Strich gebürstet sind wie die Aufmachung. Wo in anderen Amsterdam-Büchern der Grachtenring besungen wird, gibt es hier ein Kapitel über “The Unesco Trap” und eines über “The Expanded Museum of Amsterdam”. Man erhält aber auch Tipps zur Fahrradetikette und wie man seinem 7-jährigen Sohn mitten im Rotlichtviertel erklärt, was eine Prostituierte ist. Es gibt einen Spaziergang durch die Nachkriegsarchitektur von Amsterdam-West, einen (erfolglosen) Selbstversuch im Burka-Spotting und eine Übersichtsseite zum “public Dutch Design”, von Straßenlaternen bis Finanzamtsbriefumschlägen. Aufgelockert wird das alles von Infografiken und Fotoreportagen über Bäume im Bijlmer oder die heimische Herstellung von Apfelschnaps.

Manch ein Artikel wirkt etwas zu schülerzeitungshaft, und das Englisch lässt teils zu wünschen übrig. Aber im großen und ganzen ist das Buch recht unterhaltsam. Nur: Für wen ist es eigentlich gemacht? Vermutlich vor allem für Nicht-Niederländer, die frisch nach Amsterdam ziehen und auch sonst zur typischen Archis-Klientel gehören würden – Designer, Architekten, Künstler… Oder für Wiederholungstäter unter den Amsterdam-Besuchern, die die ausgetretenen Pfade schon kennen und sich auch mal ins Bijlmermeer trauen. Aber mich hat manches auch zum Grinsen gebracht. Und im Artikel über den Canta hab ich noch richtig was gelernt.

Pfadpfinderpfingsten auf Tiengemeten

Yuppie, wir werden Pfingsten im Schleusenwächterhaus auf Tiengemeten verbringen. Das ist ein 7 km langes Inselchen im Haringvliet, also dem Mündungsarm von Maas und Waal, südlich von Rotterdam. Tiengemeten zählt ganze elf Bewohner, eine Herberge und ein Zwergenmuseum (im Ernst) und wird ansonsten vor allem von schottischen Hochlandrindern bevölkert.

Vermietet wird das Schleusenwächterhaus von der niederländischen Forstbehörde Staatsbosbeheer, die noch viele andere schicke Häuschen im Angebot hat.

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