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Archiv für

Cyprien Gaillard

Leider, leider werde ich diese Ausstellung verpassen. Aber vielleicht hat ja der eine oder andere Leser noch Zeit, bis zum 6.4. nach Den Haag zu fahren?

Denn im Kunstzentrum Stroom sind Werke des französischen Künstlers Cyprien Gaillard ausgestellt, die auf der Website höchst vielversprechend aussehen. Beton Belvedere heißt die Schau, in der es um zeitgenössische Ruinen und den Verfall modernistischer Architektur geht. Dazu gehören Landschaftszeichnungen im Stil des 17. Jahrhunderts inklusive Wohnmaschine, Fotos vom (übrigens wirklich großartigen!) Sighthill Cemetery in Glasgow, aber auch eine Installation am Strand von Scheveningen, für die Gaillard einen Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg, der normalerweise unter Sand verborgen ist, zeitweise ausgebuddelt hat.

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Cyprien Gaillard, Belief in the Age of Disbelief, 2005

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Cyprien Gaillard, View over Sighthill, 2008
Fotos: Laura Bartlett Gallery, London

Wohlfühlkunst

Im Boijmans Museum in Rotterdam läuft bis zum 10. Mai die Ausstellung Elixir von Pipilotti Rist. Eigentlich ist es weniger eine Ausstellung als eine große Installation, die sich über mehrere wabernde Räume ausbreitet, umgeben von weißen Ado-Gardinen (ohne Goldkante).

In jedem Raum ist eine von Rists typisch knallbunt-psychedelischen Videoprojektionen zu sehen, untermalt von sphärischer Musik. Die meisten Filme werden an die Decke projiziert, und als Besucher muss man sich auf hochflorigem Teppich oder einem Bett ausstrecken, um sie zu sehen.

Das wirkt ungefähr so entspannend wie ein Nachmittag in der Sauna und ist gestressten Seelen sehr zu empfehlen. Was ich inhaltlich davon halte, weiß ich nicht so recht. Aber schön ist es schon.

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Maarten Wetsema

William Wegman und seine Weimeraner sind kalter Kaffee,  hier kommt Maarten Wetsema. Nicht dass ich Tierfotos sonst viel abgewinnen könnte, aber diese sind einfach zu gut.

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via Coolhunting

Interview mit Jurgen Bey

Hier kann man ein Interview lesen, das ich vor einer Weile mit Jurgen Bey gemacht habe. Es war eins der seltsamsten (und dementsprechend interessantesten) Gespräche, die ich seit langem mit einem Designer hatte, denn Beys Gedankengänge sind ziemlich unkonventionell. Um nicht zu sagen: Er sprang von Hölzchen auf Stöckchen, während ich hektisch probierte, hinterher zu hüpfen und das ganze dann in eine lesbare Form zu bringen.

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Pekelhaaring

Gerade dachte ich, dass in Amsterdam schon lange kein gutes neues Restaurant mehr aufgemacht hat, da weist mich jemand auf die Firma Pekelhaaring hin. Dort gibt es gute hausgemachte Pasta, aber auch eher holländisches wie Steak mit Chicorée.

Das heutige Mittagessen (jawohl! echtes Mittagessen! nicht nur broodjes!) lehrte mich, dass das Restaurant in der Van Woustraat in De Pijp nicht nur kulinarisch sondern auch gestalterisch wertvoll ist. Endlich mal kein gelecktes Lounge-Interieur, sondern ein hübsches Sammelsurium von Stühlen, eine kunstvoll aus alten Möbelstücken zusammengezimmerte Bar und industriell anmutende schwarze Lampen, alles designt von Kasia Gatkowska. Ob es abends genauso nett und lecker ist wie mittags, werde ich bald mal testen.

De waag

In jeder historischen niederländischen Stadt gibt es eine alte Stadtwaage, in der früher die Handelswaren, von Käse bis Butter, zuverlässig gewogen wurden. Daran müssen sich die Werber, die diese Kampagne für ein Rotterdamer Fitnessstudio entwickelt haben, ein Beispiel genommen haben. Nur geht es jetzt nicht um Gouda-Räder, sondern um sitzbedürftige Menschen an Bushaltestellen.

Angeblich zeigt das Plakat öffentlich das Gewicht desjenigen an, der sich auf die Bank setzt. Ich habe das noch nicht selber überprüfen können, würde mich aber auch nicht wundern, wenn das Ding sogar ein paar Kilo dazuschummeln würde, damit die Aktion noch effizienter wird.

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Via Gizmodo.

Tschulligung

Ich war ja immer der Meinung, dass die Tatsache, dass die Briten keinen Ausdruck für „Guten Appetit“ haben, Bände über ihre Esskultur spricht. (Die konstruierte Restaurantmanager-Phrase „Enjoy your meal“ zählt nicht.) In diesem Sinne fiel mir neulich auf, dass die Niederländer auch kein wirklich niederländisches Wort für „Entschuldigung“ haben. Das flapsige „sorry“ ist aus dem Englischen importiert, und „pardon“ ist natürlich Französisch. Wenn es einmal einer wirklich tiefen Verbeugung bedarf, hört man „mijn excuses“ – auch das klingt ziemlich Französisch.

Dass Niederländer sich nicht allzu gerne entschuldigen, habe ich an anderer Stelle schon einmal angemerkt. Das häufig verwendete „Tja, het is niet anders“ ist doch eher eine kalvinistische Ohnmachtserklärung und ein Verweis auf vermeintlich höhere Gewalt. Auch die marokkanische Familie aus Amsterdam, deren männliche Mitglieder letzte Woche zu unrecht wegen einer Terrorismusdrohung einen Tag lang eingebuchtet waren, wartet noch immer auf eine Entschuldigung von offizieller Stelle.

Heute morgen passierte mir dann etwas unerwartetes. Auf dem Fahrrad schnitt mir eine andere Radfahrerin den Weg ab, und ich rief ihr ein empörtes „hey!“ hinterher. Daraufhin drehte sie sich um und sagte: „Sorry! Ich war ein bisschen hektisch wegen des Krankenwagens, der da hinten kommt.“ Eins muss man den Niederländern lassen: Wenn sie sich dann einmal entschuldigen, hat das mehr Effekt als so ein inflationär hingeschlamptes deutsches „‚Tschulligung“.