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Tschulligung

Ich war ja immer der Meinung, dass die Tatsache, dass die Briten keinen Ausdruck für „Guten Appetit“ haben, Bände über ihre Esskultur spricht. (Die konstruierte Restaurantmanager-Phrase „Enjoy your meal“ zählt nicht.) In diesem Sinne fiel mir neulich auf, dass die Niederländer auch kein wirklich niederländisches Wort für „Entschuldigung“ haben. Das flapsige „sorry“ ist aus dem Englischen importiert, und „pardon“ ist natürlich Französisch. Wenn es einmal einer wirklich tiefen Verbeugung bedarf, hört man „mijn excuses“ – auch das klingt ziemlich Französisch.

Dass Niederländer sich nicht allzu gerne entschuldigen, habe ich an anderer Stelle schon einmal angemerkt. Das häufig verwendete „Tja, het is niet anders“ ist doch eher eine kalvinistische Ohnmachtserklärung und ein Verweis auf vermeintlich höhere Gewalt. Auch die marokkanische Familie aus Amsterdam, deren männliche Mitglieder letzte Woche zu unrecht wegen einer Terrorismusdrohung einen Tag lang eingebuchtet waren, wartet noch immer auf eine Entschuldigung von offizieller Stelle.

Heute morgen passierte mir dann etwas unerwartetes. Auf dem Fahrrad schnitt mir eine andere Radfahrerin den Weg ab, und ich rief ihr ein empörtes „hey!“ hinterher. Daraufhin drehte sie sich um und sagte: „Sorry! Ich war ein bisschen hektisch wegen des Krankenwagens, der da hinten kommt.“ Eins muss man den Niederländern lassen: Wenn sie sich dann einmal entschuldigen, hat das mehr Effekt als so ein inflationär hingeschlamptes deutsches „‚Tschulligung“.

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