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Diseño español/Dutch design

Letzte Woche war ich auf einer Recherchereise in Spanien, daher die lange Stille.

Was hab ich dort gelernt? Dass es spanische Taxifahrer gibt, die eine große Liebe zu friesischen Pferden hegen, dass zwei Krisen schlimmer sind als eine, dass ein ordentlicher cortado Gold wert ist, dass Valencia dringend zum Calatrava-Brasilia werden will (und ich nicht weiß, ob das eine gute Idee ist). Und dass die Holländer beim Designmarketing etwas richtig machen.

Gutes Design gibt es in Spanien zuhauf, aber die Designszene ist, wie jemand treffend feststellte, „atomisiert“. Jeder kocht sein eigenes Süppchen. Und dann ist da natürlich das Problem der verschiedenen Regionen. Auf meine Frage, ob er sich als spanischen Designer betrachte, antwortete Martí Guixé (wie zu erwarten) entrüstet: „Ich bin kein Spanier. Ich bin Katalane.“ Gut, ist er dann ein katalanischer Designer? „Nein, ich komme aus Barcelona. Typisch katalanisch ist höchstens mein Humor.“ Und es kam noch besser: „Ich will auch kein Zugpferd für andere Designer sein, nur weil sie zufällig ebenfalls Spanier sind.“ Spanisches Design existiert nicht, war das Fazit des Gesprächs mit Guixé, Lagranja und zwei Mitarbeitern des Estudio Mariscal.

Das ist vor dem kulturellen und historischen Hintergrund Spaniens verständlich, aber mir wurde dabei auch mal wieder klar, wie effizient die Marke Dutch Design eigentlich ist. Denn genau das ist das holländische Design ja inzwischen, eine Marke mit klar umrissenem Image. Die Zutaten des Dutch Design sind Konzeptionalität ohne Intellektualität, Pragmatik ohne Funktionalismus, Ästhetik ohne guten Geschmack und ein Humor, der manchmal haarscharf an Witzigkeit vorbeischrammt. Wer sich als niederländischer Designer damit halbwegs identifizieren kann, darf Mitglied im Club werden und profitiert vom Renommé eines etablierten Labels.

Aber vielleicht ist das auch nur typisch für ein kikkerlandje, das zehnmal in die Fläche Spaniens passen würde und zwangsläufig viel weniger kaleidoskopisch ist. Wobei, wenn man an Belgien denkt… Aber das führt jetzt zu weit.

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