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Archiv für

Völlig off-topic: Donald Duck

Seit ich in den untertitelten Niederlanden wohne, ertrage ich die synchronisierten Filme im deutschen Fernsehen nicht mehr. Jeder noch so gute Schauspieler kann durch einen drittklassigen Synchronisator, jeder noch so gute Dialog durch eine schlechte Übersetzung getötet werden.

Im Wall Street Journal erfahren wir jedoch, dass Übersetzungen durchaus auch mal qualitätssteigernde Wirkung haben können. Zumindest wenn der Ausgangstext nicht allzu anspruchsvoll ist und die Übersetzerin freie Hand bekommt. Großartig! Und um jetzt noch kurz die Kurve zurück zum Thema Fernsehen zu kratzen: Ich musste unwillkürlich an den Rosaroten Panther denken, der auf Deutsch mit amüsanten Reimkommentaren versehen wurde, im Original aber sprachlos bleibt.

Turing-Preis

„Stedelijk Museum gewinnt ersten Turing-Preis“, konnte man heute in Het Parool lesen. Wie meinen? Hat das Stedelijk aus Frust über seine Nichtpräsenz im Kulturbetrieb jetzt beschlossen, auf Forschungen zur künstlichen Intelligenz umzusatteln? Nein, wenn man weiterliest, stellt sich heraus, dass es sich um einen neuen niederländischen Ausstellungspreis handelt, der mit üppigen 450 000 Euro dotiert ist. Aber für welche Ausstellung bloß, denn das einst wichtigste niederländische Museum für zeitgenössische Kunst ist doch bis zur Eröffnung seines Neu-Altbaus eingemottet? Der Preis gilt einer Ausstellung, die es noch gar nicht gibt, nämlich einer Soloschau von Mike Kelley, die nächstes Jahr stattfinden soll. So Gott, das Baubudget und die Generalunternehmer wollen. Reine Vorschusslorbeeren also.

Übrigens ist die Turing Foundation tatsächlich nach Alan Turing benannt. Er ist einer der großen Helden von Pieter Geelen, seines Zeichens Gründer des Navigationssystem-Herstellers TomTom. Aus dessen Börsengang werden Stiftung und Preis finanziert.

Perserteppich

Stehe ich mit dieser Assoziation allein auf weiter Flur oder erinnert die Fassade dieses neuen Wohnblocks von Dick van Gameren in Amsterdam-Slotervaart irgendwie an orientalische Teppiche? Würde jedenfalls gut in die Nachbarschaft passen. Aus der Nähe betrachtet erweisen sich die vermeintlichen Perserteppiche übrigens als vorgefertigte Betonpanele, in die Muster aus Backsteinen eingelegt sind. Der ewige niederländische Backstein wird also zum reinen Ornament umfunkioniert. Originelle Idee.

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Schöner Käse

Wer sagt denn, dass holländischer Käse nur gut schmecken und nicht gut aussehen kann? Bei designkaas.nl kann man Käse im Designerjäckchen bestellen, passend zum großen „Dutch Design“-Hype. Zum Glück geht das schöne Äußere nicht auf Kosten des Inhalts: Der Designkäse ist kürzlich zu einem der 25 besten Käse in den Niederlanden ernannt worden.

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Robin Hood Gardens

Hier ein erstes Resultat meiner London-Reise im März: eine Baunetzwoche über Robin Hood Gardens (pdf), die höchst umstrittene und vom Abriss bedrohte brutalistische Wohnanlage von Alison und Peter Smithson in Poplar, die ich vor Ort gar nicht mal so brutal fand, wie ich sie mir vorgestellt hatte.

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Fotos: Allard van der Hoek

Das schlechteste Hotel der Welt

In alten Hochparterre-Zeiten habe ich schon einmal auf die großartigen Werbekampagnen des Hans Brinker Budget Hotels hingewiesen. Nun hat die Werbeagentur KesselsKramer (jawohl, derselbe Erik Kessels, der das tolle Schießbuden-Buch herausgegeben hat) ein Buch zum Thema veröffentlicht. Bei design.nl gibt es einen lesenswerten Hintergrundartikel dazu. Zitat: „Since KesselsKramer took over the campaigns, hotel bookings have doubled, but nothing inside the actual hotel has changed at all. ‚That’s what makes it all so special,‘ says hotel manager Rob Pernis.“

Nomlf (Not on my lakefront)

Ich wohne, wie hier schon öfter erwähnt, mit viel Vergnügen in einem Hochhaus am Sloterplas. Zu Füßen des Hochhauses gibt es einen architektonisch wertvollen kleinen Platz mit einer Aussichtsterrasse, auf der ein nicht weiter bemerkenswertes Café-Hüttchen hockt. Entworfen wurde das Ensemble aus Platz und Terrasse 1961 vom Architekten Dick Slebos; die Café-Hütte kam später hinzu.

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Café Oostoever

Vor allem von der anderen Seeseite aus betrachtet ist das Linienspiel von Slebos‘ Ensemble wunderschön: Der von drei Laternenbündeln gekrönte Platz und die Terrasse falten sich sozusagen als stromlinienförmige weiße Skulptur aus dem Ufer heraus. Leider ist das ganze aus der Nähe etwas weniger attraktiv, denn der Platz selber ist – trotz seines sehr stilvollen 60er-Jahre-Designs – ziemlich verwahrlost, und in der überdekorierten Kneipe starren einen die Stammgäste misstrauisch an, wenn man hereinkommt.

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Foto:Martien Sleutjes/Flickr

Nun dachte sich der Stadtteil, dass man diesen Ort aufwerten sollte – was ja an sich durchaus löblich ist. Allerdings fand kein offener Architekturwettbewerb statt, sondern wurden nur drei Projektentwickler eingeladen, einen Plan einzureichen…
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