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Nomlf (Not on my lakefront)

Ich wohne, wie hier schon öfter erwähnt, mit viel Vergnügen in einem Hochhaus am Sloterplas. Zu Füßen des Hochhauses gibt es einen architektonisch wertvollen kleinen Platz mit einer Aussichtsterrasse, auf der ein nicht weiter bemerkenswertes Café-Hüttchen hockt. Entworfen wurde das Ensemble aus Platz und Terrasse 1961 vom Architekten Dick Slebos; die Café-Hütte kam später hinzu.

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Café Oostoever

Vor allem von der anderen Seeseite aus betrachtet ist das Linienspiel von Slebos‘ Ensemble wunderschön: Der von drei Laternenbündeln gekrönte Platz und die Terrasse falten sich sozusagen als stromlinienförmige weiße Skulptur aus dem Ufer heraus. Leider ist das ganze aus der Nähe etwas weniger attraktiv, denn der Platz selber ist – trotz seines sehr stilvollen 60er-Jahre-Designs – ziemlich verwahrlost, und in der überdekorierten Kneipe starren einen die Stammgäste misstrauisch an, wenn man hereinkommt.

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Foto:Martien Sleutjes/Flickr

Nun dachte sich der Stadtteil, dass man diesen Ort aufwerten sollte – was ja an sich durchaus löblich ist. Allerdings fand kein offener Architekturwettbewerb statt, sondern wurden nur drei Projektentwickler eingeladen, einen Plan einzureichen…

Der akzeptabelste Vorschlag stammt von Hillen & Rosen/Tekton Architecten alias Full Colour. Sie wollen unter dem Platz ein Café mit Aussicht auf den See anlegen, das man per Boot erreichen kann. Aber ob der Stadtteil sich ausgerechnet für den unauffälligsten und vermutlich am aufwändigsten zu realisierenden Enwurf entscheiden wird? Die anderen beiden Teilnehmer kommen jeweils mit der Idee, einen Hotelturm neben Slebos‘ Aussichtsterrasse zu stellen. Mal abgesehen davon, dass die Architektur der beiden Entwürfe schnarchlangweilig ist, würde das den Platz völlig verstellen und Slebos‘ Ensemble auf ewig zunichte machen.

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Entwurf von Full Colour

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Entwurf von Heren 2

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Entwurf von Nova Development

Da fragt sich doch mal wieder, wieso in diesem Land schon seit einigen Jahren keine Wettbewerbe mehr stattfinden. Bei einem Architekturwettbewerb mit einer guten Jury wären sicherlich originellere Beiträge herausgekommen, die diesen Ort tatsächlich aufwerten könnten. Statt dessen sucht irgendein Beamter im Hinterkämmerchen drei Projektentwickler aus, die je einen namenlosen, handzahmen Architekten anschleppen. Am Ende bekommt der meistbietende Entwickler den Zuschlag. Um den Anschein von Demokratie zu wahren, dürfen die Anwohner auf einer Website für einen der Entwürfe stimmen, was dann angeblich in die Urteilsfindung einfließen soll – aber in welcher Form oder zu wieviel Prozent, wird nirgends erwähnt.

Im übrigen scheint allen drei Architekten entgangen zu sein, dass sogar Slebos selber eine Steilvorlage für eine Weiterentwicklung des Platzes geliefert hat. Ursprünglich sollte nämlich auf der Terasse keine Café-Hütte, sondern ein Aussichtsturm entstehen, der aber nie gebaut wurde. Sogar die nötigen Fundamente sind vorhanden. Es wäre also eigentlich ein leichtes, das Ensemble sinnvoll weiterzustricken.

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