Zum Inhalt springen

Archiv für

Hotel aus „Türkentaschen“

Ich werde leider nicht dabei sein, denn ich fahre morgen in Urlaub, aber zumindest hat es mich mal kurz, aber laut hinter dem Computer auflachen lassen: Am Freitag eröffnet auf dem Inselchen im Oosterdok hinter dem Arcam ein temporäres Hotel, das ganz aus „Türkentaschen“ gebaut ist. Gemeint sind diese blau-rot-karierten Plastiktaschen, in die so unglaublich viel reinpasst.

142380

Das mag zunächst etwas politisch inkorrekt klingen, aber es ist durchaus ernst gemeint. DUS Architects haben die Hütte als Plädoyer für informelle, spontane Architektur entworfen, nach dem Modell türkischer geçekondus.

Der Aufenthalt im Hotel ist übrigens kostenlos, muss aber reserviert werden. Die Eröffnung mit DJ und Snacks findet am 24.7. um 17 Uhr statt.

Osdorper Tugenden

Ein Freund machte mich neulich darauf aufmerksam, dass es in Amsterdam-Osdorp eine Gegend mit sehr speziellen Straßennamen gibt. Ich nehme mal an, dass sie zur Zeit der Anlage der Westlichen Gartenstädte entstanden sind, als der Sloterplas ausgehoben und die ehemaligen Polder aufgeschüttet wurden, und die gemeinsame Kraftanstrengung rühmen sollten. Jedenfalls gibt es dort Straßen mit dem Namen „Samenwerking“ (Kooperation), „Geduld“, „Volharding“ (Ausdauer), „Verdraagzaam“ (duldsam), „Opmerkzaam“ (aufmerksam), „Vertrouwen“, „Overleg“ (Beratschlagung), „Inzet“ (Einsatz) – und glücklichweise auch den „Uitwegpad“ (Auswegpfad).

Bei so viel Poldertugenden wird es den Holländern sicher ganz warm ums Herz.

samenwerking

Slotervaart-Alphabet

Slotervaart ist eines dieser berüchtigten Problemviertel im Westen Amsterdams. Nachkriegswohnungsbau, Kopftücher, Satellitenschüsseln, Abstandsgrün und so. Das Grafikdesignbüro GloriusVandeVen hat nun ein Slotervaart-Alphabet entworfen, zusammengeschnippelt aus Gebäuden im gleichnamigen Stadtteil. Hübsch.

142141
via Architectenweb

Pier von Scheveningen

Und wieder einmal wird ein Klassiker der Spätmoderne dran glauben müssen. Der Stadtrat von Den Haag will den Pier von Scheveningen, 1955-1959 von Hugh Maaskant entworfen, bis zur Unkenntlichkeit umbauen. Da fragt man sich einerseits, wieso das Gebäude nicht zu den 80 „jungen Monumenten“ in Den Haag gehört, und andererseits, ob man es dann nicht lieber in Würde abreißen sollte. Denn wie das Rendering demonstriert, soll es in einen Clownsanzug gesteckt werden, der aus allen möglichen Spektaktelarchitektur-Versatzstücken der letzten Jahre zusammengeflickt ist. Damit hofft der etwas schrottige und billige Küstenort Scheveningen (Kurhaus hin oder her) endlich mehr Klasse zu bekommen. Ach herrje.

Scheveningse_pier

142123

Urlaubsessen

Im Restaurant in Kosice (am letzten Ende der Slowakei, wohin es mich gerade ein paar Tage lang verschlagen hat) gab es heute Mittag eine Auswahl aus gut durchgekochtem Hirschragout mit Reis oder Kohleintopf mit Schweinefleisch. Meine niederländische Tischnachbarin stocherte in ihrer braunen Sauce, um dann festzustellen: „Das ist so richtiges Urlaubsessen.“ „Wieso Urlaubessen?“, fragte ich. Einen Moment lang dachte ich, sie halte ihr undefinierbares Ragout tatsächlich für ein Highlight der slowakischen Küche, das entscheidend zu den Freuden eines Aufenthalts in dieser Stadt beiträgt. Vielleicht war das aber auch nur ironisch gemeint? „Naja, eben so fertiges Essen aus der Dose, das man in Holland kauft und auf dem Campingplatz in Frankreich aufwärmt“, erläuterte sie.

Da wurde mir mal wieder bewusst, dass mich manche holländische Gepflogenheiten auch nach fast zehn Jahren noch überraschen können. Ich frage mich nur, weshalb die auf edel getrimmte „Excellent“-Hausmarke von Albert Heijn noch keine Dosenragout-Kollektion namens „vakantietijd“ zu bieten hat.