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Mercatorplein

Allzu lange ist es nicht her, dass De Baarsjes eine no go area in Amsterdam war. Angeblich trauten sich Polizisten in den frühen neunziger Jahren nur in Begleitung von mindestens zwei Kollegen in den westlichen Stadtteil, in dem es immer wieder zu Ausschreitungen ausländischer Jugendlicher kam – habe ich mir mal erzählen lassen. Als ich selber in den frühen Zweitausendern dort wohnte, war das alles nur noch halb so schlimm, aber von der Gentrifizierung, die seither im Gange ist, war De Baarsjes damals noch weit entfernt. Nun wird die Gegend plötzlich fast schick: Die Wohnungsbaugesellschaften hübschen die Backsteinbauten aus den 30er Jahren auf, leerstehende Läden werden von Jungkünstlern und -designern übernommen, die Wohnungspreise sind ordentlich gestiegen, und im Straßenbild mischen sich unter Kopftücher und Dschellabas immer mehr Freitagtaschen und Bugaboos.

Der Mercatorplein war allerdings noch ein Überbleibsel aus den harten Zeiten. Die Einrichtung des Platzes stammt aus den Neunzigern und war abgesehen von ein paar Kirschbäumen wirklich völlig charmefrei. Komplett asphaltiert und mit einer unmotiviert hochstehenden Ecke versehen, unter der sich eine Tiefgarageneinfahrt befand, war Vandalismusresistenz offenbar einziges Gestaltungsziel. Kurz: Der Platz war eine Gummizelle im öffentlichen Raum.

Vor ein paar Tagen habe ich erstaunt festgestellt, dass er jetzt neu gestaltet wird. Plötzlich ist der halbe Platz umzäunt und liegt voller Baumaterial. Kurzes googeln hat ergeben, dass das neue Design vom Architekturbüro SeArch und Atelier Quadrat stammt und zumindest zum Teil recht ambitioniert aussieht. Immerhin wird ein neuer Pavillion gebaut und die Tiefgarageneinfahrt verändert, auch wenn der Rest des Platzes wohl ein silbernes Tablett für waaivuil (niederländisches Großstadtphänomen: herumwehender Müll, den niemand aufräumt) bleiben wird. Man darf gespannt sein.

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  1. liebe anneke,

    ich hab mir den mercatorplein vor einem momat angesehen, als noch nichts von umbau zu sehen war. dafür hat mir’s die umgebung dort teils sehr angetan! (der eingang zum viertel durch die jan evertsen straat, auch die kirche…)

    können wir mal kontakt aufnehmen? ich verbringe neuerdings viel zeit in amsterdam, pendle praktisch zwischen bcn und shipol…

    liebe grüsse
    jakob

    15. September 2009
  2. annekebokern #

    Hallo Markus,

    ja, es gibt eine Menge interessanter Gebäude aus den 30er Jahren in der Gegend – sogar fast mehr als im viel berühmteren Berlage-Viertel in Amsterdam-Süd. Aber bis vor kurzem waren die meisten durch hässliche Plastikfensterrahmen aus den Achtzigern entstellt, die die Fassadenproportionen völlig zerstörten. Jetzt werden viele zum Glück wieder durch Holzfenster mit Original-Einteilung ersetzt, z.B. im Hoofdweg und in der Witte de Withstraat.

    Gruß,
    Anneke

    15. September 2009

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