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Natur à la Flevoland

Ich halte die Provinz Flevoland nicht für einen schlichten Polder im IJsselmeer, sondern vielmehr für eine raffinierte philosophische Denksportaufgabe. Flevoland beruht auf einer Verschachtelung von Künstlichkeit und Natürlichkeit, deren ganzes Ausmaß ich noch immer nicht ergründet habe. Dagegen ist der Spiegelsaal von Versaille ein Toilettenschränkchen.

Vor längerem habe ich schon einmal im Hochparterreblog über die Widersinnigkeiten des Kasteel Almere berichtet. Vorgestern kam wieder einmal eine neue Facette hinzu, als die Zweite Kammer des niederländischen Parlaments beschloss, dass die wilden Tiere im Naturpark Oostvaardersplassen ab sofort gefüttert werden müssen. Die Oostvaardersplassen sind ein Naturentwicklungsgebiet am nordwestlichen Rand Flevolands, bewohnt von zahlreichen Vogelarten, aber auch von Hirschen und Rindern. Der Natur soll dort so weit wie möglich ihr Lauf gelassen werden: Einzige menschliche Eingriffe sind der Abschuss kranker Tiere und die gelegentliche Regulierung des Wasserstands. Sonst nichts. Unter Tierschützern, Naturschützern und Politikern wurde jedoch schon seit längerem diskutiert, ob man die Wildtiere in so strengen Wintern wie dem letzten füttern oder – ganz natürlich, wenngleich unschön – dem Frost zum Opfer fallen lassen sollte.

Wenn es um Landschaft geht, ist loslassen nicht die größte Stärke der Niederländer. Ist ja auch kein Wunder angesichts der Geschichte des Landes. Wozu aber führt der Fütterungsbeschluss? Dazu: Auf dem künstlichen Land gibt es künstlich angelegte Natur, in der Wildtiere ausgesetzt wurden, damit sie möglichst natürlich wird. Im Zweifelsfall wird die ganz natürliche künstliche Natur aber künstlich am Leben erhalten, damit sie der allgemeinen Vorstellung von Natur entspricht. Noch Fragen?

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