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Archiv für

Villa Welpeloo

Gestern war Presse-Eröffnung der Villa Welpeloo von 2012 Architecten in Enschede. Das Haus steht im Stadtteil Roombeek, der vor zehn Jahren bei der Explosion einer Feuerwerksfabrik komplett zerstört und inzwischen größtenteils wieder aufgebaut wurde.

Umgeben von Retro-Herrenhäuschen und weitgehend charme- und inspirationsfreien modernen Eigenheimen, ist die Villa Welpeloo schon auf den ersten Blick das interessanteste Wohnhaus weit und breit. Dass sie auch noch zu einem guten Teil aus recycelten Materialien besteht, sieht man zunächst gar nicht, macht sie aber natürlich noch spannender. Die Liste ist sogar recht lang: Die Fassade wurde aus den Holzlatten von alten Kabeltrommeln gefertigt; die Stahlkonstruktion besteht aus ausrangierten Textilmaschinen aus einer nahen Fabrik; in den Kern des Hauses wurde der Scherenlift, der während des Baus benutzt wurde, einfach mit eingebaut; die Küchenschränke sind aus alten Bauschildern gemacht; und die Badezimmer sind mit einem Kunststoff ausgekleidet, der aus gepressten alten Kaffeebechern hergestellt wird.

Mit solcher Architektur aus Abfall ist 2012 Architecten eines der wenigen jungen niederländischen Büros, die erfolgreich eine Marktnische erobert haben und von der Krise – so wurde mir gestern mitgeteilt – überhaupt nichts spüren.

Was ist also das Geheimnis? In architektonischer Hinsicht ist es vermutlich, dass die Entwürfe den Öko-Faktor nicht herausposaunen, sondern eine davon unabhängige moderne Ästhetik entwickeln. In kommerzieller Hinsicht dürfte es daran liegen, dass die Architekten keine moralinsaure Zeigefinger-Ökologie betreiben, sondern ziemlich entspannt und humorvoll mit dem Thema umgehen. Sie haben einen eigenen Ansatz gefunden, der zwischen dem oft hohlen Nachhaltigkeitsgefasel, das momentan in aller Architekten Munde ist, authentisch wirkt.

Wer mehr über das Büro erfahren will: Ich habe vor ein paar Jahren mal eine Baunetzwoche darüber geschrieben.

Fotos: Allard van der Hoek

feestbeest

Im SZ-Magazin gibt es einen schönen kleinen Artikel über Louis van Gaals jüngsten Beitrag zur deutschen Sprache: das Feierbiest.

Ich hätte da noch ein paar niederländische Wörter, die ich Axel Hacke zur Adaptation ins Deutsche ans Herz legen würde.

modderpoel
versnapering
tussenbus
rotsvast
tandenborstel
wansmaak

ijsberen
(als Verb)
broekie
tussendoortje
mierenneuker

muggenzifter

Und nicht zuletzt das feestvarken, das ich persönlich viel hübscher finde als das etwas anonyme feestbeest. Ach, man könnte die Liste endlos fortsetzen.

Ausstellungen im Boijmans Museum

Manchmal kann man von Amsterdam aus nur neidisch auf Rotterdam schielen. Während hier alle Museen im Dornröschenschlaf schlummern, eingelullt vom ewigen Wummern der Presslufthämmer, laufen allein im Boijmans Museum im Juni mehr interessante Ausstellungen als in der Hauptstadt im gesamten vergangenen Jahr. Als da wären:

Die falschen Vermeers von Han van Meegeren, 12.5.-22.8.
Infernopolis / Atelier van Lieshout, 29.5.-26.9. – in einer alten U-Boot-Werft im Hafen, siehe http://www.submarinewharf.com
– Olafur Eliasson – Notion Motion, 29.5.-17.10.
– Thomas Demand – Nationalgalerie, 29.5.-22.8.

Niederländischer Pavillon Expo 2010

Bei Dezeen gibt es einige Fotos von John Körmelings Expopavillon in Shanghai. Interessanter als die Fotos sind allerdings die Kommentare. Sie reichen von „großartig“ bis „Bankrotterklärung der niederländischen Architektur“.

Tja, was soll man davon halten? Zunächst würde ich mal dafür plädieren, diesen Pavillon als Kunst und nicht als Architektur zu beurteilen, denn John Körmeling ist Künstler. Betrachtet man das Gebäude als Kunstwerk, ist es weniger Teil der niederländischen Architektur als vielmehr eine Aussage über sie – Meta-Architektur also. Und als solche ist es eine verdammt gut beobachtete Bestandsaufnahme der momentanen niederländischen Baukultur, in der Spaß machen und Auffallen oft wichtiger ist als architektonische Fragen.

Außerdem muss man doch mal feststellen, dass das Architekturwettrennen der Expos allmählich ein bisschen langweilig wird. Jedes Mal versuchen die Länder wieder, sich gegenseitig mit den hightechigsten und avantgardistischsten Pavillons zu übertrumpfen. Und was macht Körmeling? Er baut eine Achterbahn für die Architekturkirmes. Das entbehrt doch nicht eines gewissen Humors.