Zum Inhalt springen

Archiv für

Power Toilets

Noch eine Meldung aus der Provinz, dieses Mal aus Heerhugowaard, wo ich zugegebenermaßen noch nie war und vermutlich auch so schnell nicht hinkommen werde. Falls es mich aber doch mal dorthin verschlagen sollte, werde ich aufs Klo gehen. Natürlich nicht auf irgendeins, sondern auf das im Naherholungsgebiet Strand van Luna. Dort hat das dänische Künstlerkollektiv Superflex in Zusammenarbeit mit dem Amsterdamer Architekturbüro Nezu Aymo Architects die „Power Toilets“ errichtet: einen originalgetreuen Nachbau der Toiletten im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen in New York, basierend auf ein paar Fotos, die ein Mitarbeiter des Sicherheitsrats einmal heimlich geknipst hat. In einer unauffälligen Kiste in einem nordholländischen Städtchen verbergen sich also exakt dieselben Toiletten, auf denen Ban-Ki moon & Co ihre hochgeheime Notdurft verrichten. Und ich sitze an meinem Computer und grinse vor mich hin.

Königliches Glasmuseum

Heute eröffnet Königin Beatrix das umgebaute Nationale Glasmuseum in Leerdam. Wieder mal so ein leicht angestaubtes Provinzmuseum mit einer Sammlung, die in einem großbürgerlichen Wohzimmerschrank besser aufgehoben wäre, könnte man meinen. Damit liegt man aber falsch. Gestern war ich dort, und kann nur sagen: Der Erweiterungsbau ist ziemlich unglaublich. Bureau SLA hat zwei Gründerzeitvillen mit Laufbrücken verbunden, in denen der gesamte ehemalige Depotinhalt untergebracht wurde. Die Brücken haben eine Stahlkonstruktion und sind mit Polykarbonatplatten unter Streckmetall verkleidet, so dass sie abends zu riesigen Leuchtbalken werden.

In diesen minimalistischen Tunnels wirkt die dicht gestellte Glassammlung, zu der auch Servicedesigns von Berlage und de Bazel gehören, wie eine Installation. Die Vitrinen wurden, ebenso wie das restliche Interieur des Museums, von Piet Hein Eek entworfen, der zum Glück einmal nicht sein altbekanntes sloophout verwendet hat. Im Museumsshop kann man eine speziell von ihm für das Glasmuseum entworfene kleine Hängelampe kaufen – ebenso wie eine schöne Leuchte von Chris Kabel und einigen andere netten Designschnickschnack aus Glas.

Insgesamt auf jeden Fall einen Ausflug ins tiefe Gelderland wert.

Fotos: Jeroen Musch

Expo 2000

„Foto der Woche“ auf der Website von Roemer van Toorn ist der niederländische Pavillon für die Expo 2000 in Hannover von MVRDV. Damals als revolutionäre Stapelung von Landschaften in einem Gebäude umjubelt, gleicht das Bauwerk nun einem im Gebüsch vergessenen Raumschiff. Würde ich gerne mal aus der Nähe sehen.

Hepatitis

Ein amüsantes Filmchen über das wenig amüsante Thema Hepatitis. Sowas können die Holländer einfach gut.

Den Haag – Design + Government

Da flatterten sie am Freitag im strahlend blauen Wind am Hofvijver, die 12 Gewinnerflaggen des Wettbewerbs A New Symbol for Europe.

Der Wettbewerb ist Teil der nagelneuen Biennale The Hague – Design + Government. In den nächsten Monaten finden in Den Haag diverse Ausstellungen und andere Veranstaltungen rund um die Bedeutung von Design für Regierungen, Behörden und Ämter statt. Das geht von einer Ausstellung über Standardisisierung namens „Norm=Form“ im Gemeentemuseum bis hin zu einem Umzug von internationalen Konzept-Polizeiautos, der am vergangenen Samstag stattfand.

Konzipiert und organisiert wurde die Biennale vom Designer Ed Annink, der bereits für Utrecht Manifest verantwortlich zeichnete, wovon mir vor allem eine sehr schöne Ausstellung über die Piktogramme von Otto Neurath und Gerd Arntz in Erinnerung geblieben ist.

Das Thema birgt jedenfalls viel Potenzial, geht es doch letztlich um Design als Vermittler zwischen Bürger und Regierung, also als Kommunikationsform. Angesichts der Flut an sinnfreien, aber immer neuen Stühlen, Tischen und Vasen von niederländischen Designern, die täglich durch die Medien rollt, ist das doch mal ein gehaltvoller Ansatz.

Rosinen für Rietveld

2010 ist Rietveldjahr in Utrecht. Wieso? Keine Ahnung. Gerrit Rietvelds Geburtstag jährt sich zum 122., sein Todestag zum 46. Mal – das kann man beides nicht einmal mit viel gutem Willen als rund bezeichnen. Wie auch immer, die Stadt Utrecht hat beschlossen, ihren berühmtesten Architekten zu feiern. Sie tut das mit einem neumodischen iPhone-App und einem altmodischen Rietveld Magazin, aber auch mit einem Rosinenbrötchen. Ein Rosinenbrötchen? Jawohl, denn wie das Centraal Museum mitteilt, war Rietveld ein großer Liebhaber dieser niederländischen Spezialität. Starkoch Jon Sistermans vom Restaurant Wilhelminapark hat also ein ganz besonderes Rosinenbrötchen zu Rietvelds Ehren komponiert.

Ach ja, die niederländische Museumslandschaft. Man kann solche Aktionen erfrischend und unterhaltsam finden. Man kann aber auch einwenden, dass in anderen Ländern ein Symposium, eine Vortragsreihe oder eine wissenschaftlich wertvolle Ausstellung stattgefunden hätte, die vielleicht etwas zur internationalen Rietveld-Forschung beigetragen hätten. Alles viel zu elitär und verkopft. Hier gibt es ein Rosinenbrötchen.

Stehend pilsen

Manchmal fragt man sich ja, wo der sprichwörtliche Liberalismus dieses Froschländchens geblieben ist. Gestern wurde das Hausbesetzen verboten, heute sehe ich auf der Straße ein Schild „Einfahrt verboten für Radfahrer. 35 Euro Buße bei Zuwiderhandlung“. Und das in der Stadt, in der man immer mit zwei Kindern und einem Hund auf dem Rad, einen Regenschirm in der einen und ein Handy in der anderen Hand, über Rot fahren konnte. Es geht bergab mit Amsterdam.

Nun aber dies: Het Parool berichtet, dass diesen Sommer „staand pilsen“ vor Cafés erlaubt werden soll. Zu Deutsch: Man darf sein Bierchen jetzt auch im Stehen trinken. Es geschehen noch Zeichen und Wunder.