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Umgangsformen

Wer den Unterschied zwischen Niederländern und Deutschen im täglichen Umgang am eigenen Leibe erfahren will, der muss nur mal ins deutsche Konsulat in Amsterdam gehen. Draußen strahlt die Sonne, drinnen strahlt mich eine niederländische Sicherheitsbeamtin an, wünscht mir einen guten Morgen und fragt höflich, ob sie auch mal in meine Tasche gucken dürfe. Der deutsche Pförtner vom Typ altberliner Hausmeister begrüßt mich dagegen mit einem gebellten „Ja?“ und bierernstem Gesichtsausdruck. Ich trage ihm mein Anliegen vor und bekomme die Antwort: „Da kommse aber außerhalb der Öffnungszeiten. Schaunsema auf die Uhr!“. Stimmt, ich bin 5 Minuten zu spät. „Jut, Frau … (strategische Pause, die so viel bedeutet wie: ‚Sie ham sich ja noch nichma vorgestellt.‘) Ick frag die Mitarbeiterin ma, ob sie Sie noch nimmt.“ Natürlich nimmt mich die Mitarbeiterin noch, denn drinnen sitzen nur zwei andere Wartende. Als ich wieder gehe, verabschiedet mich die Sicherheitsbeamtin mit einem freundlichen „Tot ziens!“. Der Pförtner sagt gar nichts.

Als Deutsche kann man dem eigentümlichen Charme preußischer Hausmeister vielleicht noch etwas abgewinnen. Mit etwas gutem Willen kann man das sogar unter Heimatgefühl verbuchen. Aber neulich hörte ich ihn im selben Tonfall und abenteuerlichem Englisch eine arme Chinesin abfertigen, die ein Visum für Deutschland beantragen wollte. Au weia.

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