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Archiv für

Rotterdam

„Der Unterschied zwischen Rotterdam und Berlin ist Amsterdam.“ – Hans Kollhoff

Mist

Die Legende, die Niederländer seien so ziemlich jeder Sprache mächtig, wurzelt vor allem in ihrem unerschütterlichem Selbstbewusstsein. Der Führer im Van Gogh Museum sprach gut Englisch, und Deutsch, naja, das würde er auch noch irgendwie hinbekommen. Vor einem impressionistischen Gemälde, das eine von Nebel verhüllte Stadtansicht zeigte, fragte er die andächtig lauschende Gruppe deutscher Seniorinnen: „Sehen Sie den Mist auf diesem Bild?“

Wohnung in Amsterdam zu verkaufen

Nach fast acht Jahren ist es soweit: Wir ziehen demnächst um, und zwar nach Amsterdam-Noord. Ein Haus mit Gärtchen in fünf Minuten Fietsabstand zur Fähre hat uns überzeugt. Dann werden wir zu den Gentrifikatoren gehören, die abends bei Albert Heijn das Bio-Hühnerfilet kaufen, das den ganzen Tag über niemand angeguckt hat, und die an den braunen Eckcafés vorbeiradeln, um ihr Bier bei Noorderlicht zu trinken.

Vorher müssen wir aber noch unsere jetzige Wohnung verkaufen. Schweren Herzens, denn so eine Aussicht werden wir vermutlich nie wieder bekommen. Interesse? Die Wohnung ist 80 Quadratmeter groß, liegt im 13. und damit obersten Geschoss eines Wohnhochhauses am Sloterplas, hat einen wunderschönen geölten Holzboden, einen neun Meter langen Balkon und einen Blick wie in der Krombacher-Werbung. Hier gibt es mehr Info: www.bhs373.nl

Space to take place

Ein kleiner Ausflug an den Stadtstrand Blijburg lässt sich immer schön mit dem Besichtigen neuer Architektur kombinieren. Zugegeben, auf IJburg steht viel gebaute Langeweile herum. Aber in seiner Gesamtheit ist das Neulandprojekt immer wieder beeindruckend, und es finden sich auch einige Highlights. Subtile, wie ein privates Wohnhaus von Claus en Kaan auf dem Steigereiland, und gar nicht subtile, wie der Wohnblock De Witte Kaap von – ach was – ebenfalls Claus en Kaan auf dem Haveneiland.

Der netteste Blickfang ist allerdings eine 100 Meter lange knallrote Bank namens Space to Take Place, die am Nordrand des Haveneiland steht. Sie stammt von der Architektin Claudia Linders, die damit einen von Droog Design ausgelobten Wettbewerb gewonnen hat, bei dem es darum ging, ein Werbegeschenk für das niederländische Außenministerium zu entwerfen. Eine Bank im öffentlichen Raum als Werbegeschenk? Jawohl, denn für die Beschenkten wird jeweils ein Sitzplatz auf der Bank reserviert. Wenn also zum Beispiel Ato Gitma Wolde Giorgis, seines Zeichens Präsident von Äthiopien, demnächst einmal nach Amsterdam kommt, kann er in IJburg auf seinem Stück Bank Platz nehmen und auf das IJsselmeer schauen. Die Chancen stehen gut, dass er niemanden verjagen muss.

Minderheitenkabinett

Wenn schon Gratiszeitung im Zug, dann De Pers. Gestern fand sich darin mal wieder ein treffender kleiner Argus-Comic:

Ach Herrje, eine rechte Minderheitsregierung von Geerts Gnaden. Hätte es schlimmer kommen können? Vermutlich nicht.