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Archiv für

Koseworte

Fluchende Niederländer wünschen einem ja gern Krankheiten an den Hals („kankerwijf“ & Co), Deutsche dagegen werfen mit Fäkalausdrücken um sich. Letztere scheinen in den Niederlanden eher als Koseworte durchzugehen. Hingerissene Omis im Supermarkt nennen meine Tochter gerne mal „poepie“ („Scheißerchen“), und auch „drolletje“ („Köttel“) kam schon vor. Gestern war ich dann aber doch überrascht, als eine ältere Dame in den Kinderwagen schaute und entzückt rief: „Wat een scheet!“ („Was ein Furz!“). Im Nachhinein wurde mir klar, dass mir das vermutlich nicht mal aufgefallen wäre, hätte sie ein „scheetje“ daraus gemacht.

SuperDanish

Sind Dänen die besseren Holländer? In der Architektur zur Zeit schon. Letztes Wochenende war ich auf Stippvisite in Kopenhagen und habe mir das 8 House von BIG angesehen. Bar jeder bürgerlichen Niedlichkeit, thront der riesige Wohnblock am südlichen Ende der Stadterweiterung Ørestad einsam am Rand der Steppe. Von weitem sieht er gar nicht mal so beeindruckend aus, aber hat man einmal die Rampe erklommen, die die beiden Innenhöfe säumt und als Erschließung für die Wohnungen dient, und schaut eine 14-geschossige Treppe unter freiem Himmel herunter, wird einem ganz anders. SuperDutch mag tot sein, hat aber offenbar auf dem Sterbebett noch ein paar Nachkommen gezeugt. Dass Bjarke Ingels früher bei OMA gearbeitet und dementsprechend Holland-Erfahrung hat, kann er jedenfalls nicht leugnen. Allerdings treibt er die typisch niederländischen Strategien – Stapelung von Gebäudeelementen, Architektur als Landschaft, promenade architecturale sowie eine ordentliche Portion pubertäre Provokationslust –  weiter als Winy und Rem es je getan haben.

Was Dänen und Niederländer allerdings auch gemeinsam haben, ist die Wirtschaftskrise. Von den 476 Wohnungen im Riesenblock sind gerade einmal 65 verkauft – und das sind immerhin halb so viele, wie in ganz Ørestad im letzten Jahr verkauft wurden. Für das 8 House hat das aber auch sein gutes: Dank der Krise wurden sämtliche Bauprojekte in der Umgebung – darunter eins von MVRDV – erst einmal auf Eis gelegt. Und so wird es wohl noch recht lange als höchst wirkungsvoller einsamer Schlussakkord von Ørestad am Steppenrand stehen, flankiert nur von einem nichtssagenden anderen Wohnblock – und einer Smørebrød-Bude.

Hässliches Design

Manchmal muss man sich für einen Artikel mit etwas auseinandersetzen, womit man eigentlich gar nichts anfangen kann, und merkt plötzlich, wie spannend das Thema eigentlich ist. Der Antidesign-Hype war mir zum Beispiel immer ein Rätsel. All diese windschiefen, grob behauenen, knallbunten und scheinbar zusammengepfuschten Objekte, die seit einer Weile für exorbitante Preise in Designgalerien angeboten werden. Nun hat mich das belgische The Word Magazine genötigt, mal etwas länger über das Thema nachzudenken. Und siehe da: Es war alles andere als uninteressant.

Vogelkameras

Wenn es schon Telefonmasten gibt, die als Bäume verkleidet sind, wieso dann nicht CCTV-Kameras, die als Vögel getarnt sind?

panoptICONS Utrecht 2010 from Helden on Vimeo.