Zum Inhalt springen

Archiv für

Künstlerprotest

Große Demonstrationen oder spektakuläre öffentliche Protestaktionen sind in den Niederlanden, der aktuellen politischen Situation zum Trotz, höchst selten. Wahrscheinlich finden die Niederländer, dass sie ihr Pensum in den wilden Siebzigern bereits erfüllt haben. Oder die Maßnahmen des neuen Kabinetts tun einfach noch nicht weh genug.

Gestern gab es aber doch einmal eine originelle Aktion. 650 Künstler gingen gleich morgens alle auf einmal in das Rijksmuseum, so dass keine Touristen mehr hineinpassten. Damit protestierten sie gegen die Pläne der Regierung, das Kunstbudget um 200 Millionen Euro zu kürzen. Sie sagten, dass sie sich im Museum vor dem harschen politischen Klima verstecken wollten. Die Aktion hat aber noch eine andere Facette, denn in letzter Zeit richten die Amsterdamer Museen sich immer mehr auf Touristen aus. Während Van Goghmuseum und Hermitage florieren, gibt es kaum noch interessante Ausstellungen mit aktueller Kunst und einem intellektuellen Anspruch, der über Reiseführerniveau liegt.

Von der Aktion im Rijksmuseum habe ich übrigens erst heute Morgen erfahren, denn ich war bis gestern in Athen beim diesjährigen Netzwerktreffen der Guiding Architects. Dort durfte ich live miterleben, wie das andere Extrem von Protestkultur aussieht.

Geburtstagsschmuck von Philip Sajet

Da wird die Paulamama in mir ganz weich: Seit 23 Jahren macht der Schmuckdesigner Philip Sajet jedes Jahr ein Schmuckstück als Geburtstagsgeschenk für seine Tochter Nina, angefangen mit einem winzigen Säuglingsring. Dazwischen finden sich eine Mathekette zum sechsten und ein Ring aus Strandsteinen mit Diamanten zum dreiundzwanzigsten Geburtstag. Zu sehen ist die gesamte Sammlung bis zum 10. April im CODA-Museum in Apeldoorn. Die Geschichte dazu kann man bei design.nl lesen.


„Wasserring“ (5. Geburtstag)

Frozen Dutch

Unheimlich lecker und gewandet in eine hübsch minimalistische Verpackung: Eiscrème von Frozen Dutch, hergestellt –  langsam werde ich zur Lokalpatriotin – in Amsterdam-Noord. Mascarpone-Stachelbeere kann ich wärmstens empfehlen. Es gibt aber zum Beispiel auch Möhre-Ingwer, Apfel-Fenchel oder Sternanis.

Architekturmarathon

An sich bin ich ja architekturexkursionserprobt und, was dicht gepackte Tagesprogramme betrifft, hart im nehmen, da ich selber mit architour oft genug für so etwas verantwortlich bin. Aber die letzten zwei Tage hatten es in sich. Als Jurymitglied des Gouden A.A.P. (Amsterdamse Architectuur Prijs) habe ich insgesamt 25 Gebäude in Amsterdam, die im letzten Jahr fertiggestellt wurden, von außen und innen begutachtet. Die Architektin Lada Hrsak, der Architekturhistoriker Vladimir Stissi und ich drückten die Rückbank eines kleinen Autos, das von Arcam-Direktor Maarten Kloos chauffiert und von seiner Mitarbeiterin Maaike Behm beigefahren wurde. Insgesamt haben wir 141 Kilometer zurückgelegt. Die Shortlist findet sich hier. Spannend war vor allem, so viele Gebäude von innen zu sehen – von zahnmedizinischen Labors bis zu einer Synagoge und von einem kleinen Wohnboot bis hin zu einem gigantischen Archiv voller Umzugskisten.

Der Gewinner des Preises wird im April bekanntgegeben. Dann erscheint auch das Buch Amsterdam Architecture 2010-2011, in dem alle Projekte vorgestellt werden.

Lesestoff

Hier mal wieder zwei frisch erschienene Artikel von mir zu zwei sehr unterschiedlichen Themen. In der neuen db steht ein Text über das Heizkraftwerk Stadshaard in Enschede von De ArchitektenCie, das letztes Jahr zum hässlichsten Gebäude der Niederlande gewählt wurde (hier gibt’s Bilder). Und für eine interne Publikation von Philips habe ich den belgischen Trendforscher Herman Konings interviewt und dabei einiges gelernt. Zum Beispiel, dass meine Eltern zur SKI-Generation gehören („Spending their Kids‘ Inheritance“) und Schuld daran sind, dass wir „babybusters“ nie auf einen grünen Zweig kommen werden.

Tampert

Die Niederländer haben ja bekanntlich was mit Derrick. Nirgends außerhalb Deutschlands hatte die Serie so viele Fans wie hier. Vor ein paar Jahren gab es sogar eine Fernsehreklame der niederländischen Polizei mit Horst Tappert.

Fast noch mehr Spaß macht aber Tampert, die Derrick-Persiflage des Comedy-Duos Jiskefet, dessen Humor mir sonst oft ein Rätsel bleibt. Persönlich finde ich vor allem Michiel Romeyn als Harry/Freddy in schweinslederner Jacke sehr gelungen. Hier eine komplette Folge. Die muss man sich auch wirklich ganz ansehen, weil die extreme Langsamkeit – ebenso wie das unmöglich wörtlich übersetzte Deutsch – nun einmal Teil des Konzepts ist. „Ich werde Ihnen bedeuten, was das zu bezeichnen hat.“

Scholten & Baijings bei HAY

Noch etwas aus der Kategorie Habenwollen: Der dänische Hersteller HAY hat seit neuestem Textilien von Scholten & Baijings im Programm. Geschirrtücher und Teppiche sind hübsch, aber die Bettwäsche ist großartig.