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Archiv für

Die Deutschen und der Sommer

Keine Ahnung, wie die Niederländer darauf kommen, dass alle Deutschen am Strand Kuhlen buddeln. Persönlich bin ich noch nie auf die Idee gekommen und habe auch noch nicht allzu viele meiner Landsleute dabei ertappt. Übersehe ich da was? Hier jedenfalls ein paar neue Gratispostkarten von Boomerang zu diesem beliebten Thema.

Gouden AAP für die Synagoge von SeArch

Vorgestern wurde die Synagoge der Liberalen Jüdischen Gemeinde von SeArch Architects mit dem Amsterdamer Architekturpreis Gouden AAP 2011 ausgezeichnet.


Synagoge von SeArch. Foto: Iwan Baan

Zu Recht, denn das Gebäude ist wirklich ein ganz großer Wurf. Von weitem präsentiert es sich zunächst als einfache Betonbox, verziert mit einigen wie zufällig verteilten runden, leicht glänzenden Kacheln, die irgendwie an Matzen erinnern. Die Seitenfassaden weisen jeweils eine große Glasfläche in Form einer abstrahierten Menora (siebenarmiger Leuchter) auf. Erst im Inneren merkt man, dass die Fensterform auch die Anordnung der Balkone im Gebetsraum wiedergibt. Und der ist wirklich spektakulär: Wie große Wellen schwappen die holzverkleideten, ganz schön steilen Balkone in Richtung Raummitte. Mit dem warmen Holz im Gebetsraum kontrastiert viel Sichtbeton in den Erschließungsbereichen.

Aber ich sollte die Synagoge auch gelungen finden, denn schließlich war ich Jurymitglied des Gouden AAP. Die Preisverleihung fand im neuen Restaurant Rosa & Rita auf dem Oostenburgereiland statt. Mein persönliches Highlight des Abends hatte allerdings nichts mit der Synagoge zu tun. Es war der Moment, als Marlies Rohmer ein für Architekten unerhörtes Maß an Selbstspott an den Tag legte und ihre (ebenfalls nominierten) Wasserwohnhäuser auf dem Steigereiland als „Tupperware-Flotte“ bezeichnete…


Wasserwohnhäuser von Marlies Rohmer. Foto: wisze/Flickr

NAi-Briefmarken

Man kann es kaum oft genug wiederholen: Grafik- und Produktdesign sind in den Niederlanden noch immer verdammt gut. Das liegt unter anderem an Auftraggebern wie TNT Post, die gerne mal mit begabten Designern oder auch Künstlern zusammenarbeiten.

Das jüngste Meisterstück von TNT Post ist die Briefmarkenserie Stad van Nederland, die in Zusammenarbeit mit dem Niederländischen Architekturinstitut entstanden ist. Die Marken zeigen ungebaute Architekturentwürfe von Büros wie MVRDV, Neutelings Riedijk, SeArch und ZUS. Aaron Betsky findet die Auswahl zwar, wie er bei ArchDaily erläutert, nicht sonderlich gelungen, aber angesichts der piefigen Postwertzeichen, die andernorts im Umlauf sind, gibt es nicht wirklich Grund zur Beschwerde. Außerdem können die Marken noch mehr: Hält man sie vor eine Webcam, erscheinen 3D-Modelle der Entwürfe auf dem Bildschirm. Nettes Gimmick.

Pfadpfinderpfingsten auf Tiengemeten

Yuppie, wir werden Pfingsten im Schleusenwächterhaus auf Tiengemeten verbringen. Das ist ein 7 km langes Inselchen im Haringvliet, also dem Mündungsarm von Maas und Waal, südlich von Rotterdam. Tiengemeten zählt ganze elf Bewohner, eine Herberge und ein Zwergenmuseum (im Ernst) und wird ansonsten vor allem von schottischen Hochlandrindern bevölkert.

Vermietet wird das Schleusenwächterhaus von der niederländischen Forstbehörde Staatsbosbeheer, die noch viele andere schicke Häuschen im Angebot hat.

Bas Jan Ader

Mir war gerade so nach Bas Jan Ader – und siehe da, es gibt seine Filme jetzt auch bei Youtube.

Mit diesen sekundenkurzen Filmchen, die sich irgendwo zwischen Konzeptkunst und poetischem Slapstick bewegen, wurde Ader in den frühen siebziger Jahren bekannt. Nur wenig später verschwand er bei einer Atlantiküberquerung in einem winzigen Boot spurlos von der Erdoberfläche. Darüber gibt es auch einen schönen Dokumentarfilm von 2007 namens Here is Always Somewhere Else.

Los Gezelligitos

Nach langer Pause wieder einmal etwas für meine sprachwissenschaftliche Serie über das schöne niederländische Wörtchen gezellig: Ein Lied von De Jeugd van Tegenwoordig (einst Schöpfer von Watskeburt) namens Get Spanish. Darin kommt diese bemerkenswerte Zeile vor: „Los gezelligitos, donde esta genietos“. Vergessen wir die spanische Grammatik, freuen wir uns einfach über den Aufstieg des sympathischen kleinen Adjektivs zum Ortsnamen an der Costa del Sol, vermutlich direkt neben Villarriba und Villabajo.