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Archiv für

Subventionskürzungen

Für meinen Geschmack etwas zuviel Schwerpunkt auf darstellende Kunst, aber trotzdem sehr lesenswert: Die Subventionskürzungen im niederländischen Kunstbereich. Mit dem Rücken zum Publikum? bei www.nachtkritik.de

Vor allem diese Beobachtung des Autors Simon van den Berg trifft den Nagel auf den Kopf:

Es ist wichtig zu begreifen, dass in den Niederlanden die Debatte um die Künste zwischen konservativen und progressiven Kräften nie den bekannten europäischen Auseinandersetzungen um klassische versus moderne Positionen folgte. Das politische Interesse an den Künsten ist hier traditionell vage; linke Parteien nahmen die Künste nur insoweit ernst, wie sie ihrer eigenen Agenda nahe standen (Kunst klärt auf, führt Menschen zusammen, überwindet Gegensätze etc.); rechte Kräfte betrachteten die Künste als Luxus und forderten Künstler dazu auf, sich selbst am Markt durchzusetzen oder sich einen einträglicheren Beruf zu suchen.

Hochzeitskapelle von DUS

Häkeln mit Ventilationsrohren – darauf muss man erstmal kommen. Das Resultat dient auch noch ausgerechnet als Hochzeitskapelle.


Hochzeitskapelle Villa Eskamp (Den Haag) von DUS Architecten

Offenes Ende

Letzten Sonntag war Tag der offenen Tür auf IJburg. Auf den neu angelegten Inseln konnten dutzende Wohnhäuser privater Auftraggeber besichtigt werden.

Manches war überraschend – etwa das offene Treppenhaus, das dem von außen eher unscheinbaren Wohnhaus von ANA Architecten auf dem Steigereiland eine großartige Raumwirkung verleiht –, anderes war enttäuschend – zum Beispiel das Ökokitsch-Interieur des nachhaltigen Wohnhauses von FARO auf derselben Insel.

Mein Favorit war jedoch Het Open IJnde, ein Baugruppen-Wohnblock auf dem Steigereiland, entworfen von Mopet und NAT Architecten.


Mopet / NAT, Het Open IJnde, Steigereiland

Zwanzig Parteien haben gemeinsam einen Bauriegel entwickelt, der direkt am Wasser steht. Der dreigeschossige Block enthält L-förmige Wohnungen, die jeweils im Erdgeschoss und im ersten Stock bzw. im ersten und zweiten Stock liegen. Wer im Erdgeschoss wohnt, hat ein Gärtchen am Wasser. Die Wohnungen in den Obergeschossen haben einen Balkon im zweiten Stock und eine Dachterrasse. Außerdem haben sie direkten Zugang zur langen, durchlaufenden Terrasse im ersten Geschoss, die kollektiv genutzt wird. Ebenfalls im ersten Stock befindet sich ein breites „Loch“ im Gebäudevolumen, das Passanten einen Durchblick gewährt. Der daraus entstehende überdachte Teil der Terrasse dient als regengeschützter Spielbereich, den ein skulpturales Treppen- und Rampenobjekt aus Holzbohlen mit dem Ufer verbindet. Dahinter befindet sich die Parkgarage.

Sonst ist das Gebäude, dessen Fassaden mit einem schrundigen grau-grünen Backstein verkleidet sind, eher zurückhaltend gestaltet: keinerlei modische Sperenzchen, wie man sie auf dem Steigereiland häufig findet.Wenn so das Ergebnis der collectief particulier opdrachtgeverschap aussieht, die in den letzten Jahren in Holland in aller Munde (aber noch eher selten im Bau) ist, dann darf sich das Modell von mir aus gerne durchsetzen.

Restaurant Stork

Ah, endlich Sommer! Das musste gestern Abend gleich ausgenutzt werden, und so war ich zum ersten Mal im Restaurant Stork, in einer alten Maschinenhalle am IJ in Amsterdam-Noord.

Das Essen war allerdings gelungener als das Interieur. Letzteres zeugt etwas zu sehr davon, dass die Betreiber sich von der Rauhheit der Industriehalle haben einschüchtern lassen. Wieso sonst sollte man diesen Ort mit überdesignten Plastikstühlen und Topfpflanzen verniedlichen? Wie man das besser macht, hätten sie sich gleich um die Ecke beim Hotel de Goudfazant anschauen können.

Draußen sitzt man dafür sehr schön direkt am Wasser, mit Blick auf die Rückseite des Java Eiland, unter einem mit Sonnensegeln bespannten, rostigen alten Stahlgerüst. Dazu Kabeljau und Languste auf Linsensalat und ein Glas Weißwein – fertig ist der perfekte Sonntagabend.

Schneidebrot

„Oh, we hebben weer snijbrood…“, stellte mein niederländischer Studiokollege gestern etwas enttäuscht angesichts des gedeckten Mittagstisches fest. Snijbrood? Hatte ich auch noch nie gehört. Er meinte das ungeschnittene Sauerteigbrot vom Ökobäcker um die Ecke – im Gegensatz zum vorgeschnittenen holländischen Brot aus dem Supermarkt. Snijbrood ist also Brot, das man schneiden muss. Soso. Dazu gab es Kaukäse, Streichbutter und Kochtee.

Kulturkarte der Niederlande 2014


via www.schadekaart.nl

Anne Holtrop

Fernab von Wohnblöcken in Tunnelbauweise und ähnlich alltäglichen Banalitäten, arbeitet der niederländische Architekt Anne Holtrop auf der Grenze zwischen Kunst und Architektur. Wenn seine Entwürfe mal gebaut werden, sind sie echte Handschmeichler. So auch ein temporärer Ausstellungspavillion aus Pappelholz, der 2010 in der Nähe von Haarlem in der Landschaft stand. Fotos von Bas Princen sind sowieso nie falsch.