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Mokum: A Guide to Amsterdam

A Guide to Amsterdam ist ein Buchtitel, der mich normalerweise nicht sonderlich neugierig machen würde. Das Wort Mokum vor dem Doppelpunkt macht die Sache schon etwas interessanter. Mokum ist jiddisch für „Stadt“ und ein alter Spitzname von Amsterdam. Aha, hier soll vermittelt werden, dass es sich um ein Insiderwerk handelt. Obendrein wird das Buch von Archis verlegt und gehört zu einer Serie mit dem schönen Namen Never Walk Alonely Planet (die bislang nur einen einzigen anderen Band zählt, über Beirut of all places). Ich kaufe es also.

Wie sich herausstellt, ist Mokum: A Guide to Amsterdam weniger ein Reiseführer als ein Lesebuch über Amsterdam, mit Texten, die ähnlich gegen den Strich gebürstet sind wie die Aufmachung. Wo in anderen Amsterdam-Büchern der Grachtenring besungen wird, gibt es hier ein Kapitel über „The Unesco Trap“ und eines über „The Expanded Museum of Amsterdam“. Man erhält aber auch Tipps zur Fahrradetikette und wie man seinem 7-jährigen Sohn mitten im Rotlichtviertel erklärt, was eine Prostituierte ist. Es gibt einen Spaziergang durch die Nachkriegsarchitektur von Amsterdam-West, einen (erfolglosen) Selbstversuch im Burka-Spotting und eine Übersichtsseite zum „public Dutch Design“, von Straßenlaternen bis Finanzamtsbriefumschlägen. Aufgelockert wird das alles von Infografiken und Fotoreportagen über Bäume im Bijlmer oder die heimische Herstellung von Apfelschnaps.

Manch ein Artikel wirkt etwas zu schülerzeitungshaft, und das Englisch lässt teils zu wünschen übrig. Aber im großen und ganzen ist das Buch recht unterhaltsam. Nur: Für wen ist es eigentlich gemacht? Vermutlich vor allem für Nicht-Niederländer, die frisch nach Amsterdam ziehen und auch sonst zur typischen Archis-Klientel gehören würden – Designer, Architekten, Künstler… Oder für Wiederholungstäter unter den Amsterdam-Besuchern, die die ausgetretenen Pfade schon kennen und sich auch mal ins Bijlmermeer trauen. Aber mich hat manches auch zum Grinsen gebracht. Und im Artikel über den Canta hab ich noch richtig was gelernt.

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