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Skylounge

Skylounge im Mint Hotel: Boah, was für eine Aussicht.

Von außen ist der neue Hotelbau auf dem Oosterdokseiland zwar keine Schönheit, aber die Skylounge im 11. Stock bietet den besten Blick über die Stadt, seit das PostCS-Gebäude abgerissen wurde. Außerdem wird der Kaffee mit sehr ordentlichen Pralinen, Keksen und Macarons serviert. Letztere sind aus irgendeinem Grund plötzlich der letzte Schrei in Amsterdam, aber das ist ein anderes Thema.

Advent, Advent, ein Bulkfass brennt

Manchmal ist es gut, wenn eine Stadt nichts zu verlieren hat. Das Stadtzentrum von Rotterdam ist beispielsweise nicht gerade für seine schöne Atmosphäre bekannt. Bürohochhäuser, Rückseiten, Fußgängerzonen voller Billigketten und nach Ladenschluss hochgeklappte Gehsteige – das trifft es schon eher.

So etwas kann man als Problem oder als Chance begreifen. Nehmen wir das Thema Weihnachtsbeleuchtung: in den meisten Städten eine bierernste Angelegenheit, weil Ausdruck von Traditions- und Dekorationsbewusstsein. Im Zentrum von Rotterdam hingegen werden dieses Jahr industrielle Flüssigkeitsbehälter für festliche Stimmung sorgen. Bureau M.E.S.T. hat Weihnachtsbeleuchtung aus 20- und 1000-Liter-Kunststoffcontainern entworfen, die bis Februar die Straßen zieren und im Frühjahr wieder ihrem ursprünglichen Zweck zugeführt werden. Gezellig!

Amsterdam schläft

Alles andere als ein Hotelführer und bislang (bin aber gerade erst auf Seite 17) höchst unterhaltsam ist Amsterdam Slaapt, ein Selbstversuch und daraus hervorgegangenes Buch von Vincent van Dijk. 2010 hat van Dijk all sein Hab und Gut verkauft, um ein Jahr lang jede Nacht in einem anderen Amsterdamer Hotel zu schlafen. „Ein Jahr ohne eigene Wohnung. Wohnen in 365 verschiedenen Hotels. Alle haben mich für verrückt erklärt, und jetzt merke ich, dass sie recht hatten. Das kann kein Mensch ertragen. Diese Unruhe und Regelmäßigkeit. Der Koffer starrt mich verschreckt an.“ Hübsch lakonische Beobachtungen über den unterschwelligen Horror von Luxushotels, in denen die Klospülung nicht funktioniert, unnötige Heteroängste im Homohotel sowie die Tokyohaftigkeit von minimalen Designzimmern.

Nächste Woche werde ich Vincent van Dijk interviewen. Natürlich in einer Hotelbar, wo sonst.

Crowdfunding-Brücke in Rotterdam

Krise, Krise, Krise herrscht im niederländischen Baubetrieb. Allmählich ergreifen einige Architekten aber die Initiative und lassen sich neue Methoden einfallen, um doch noch an Bauprojekte zu kommen. Zum Beispiel ZUS aus Rotterdam, die den Web2.0-Hype des Crowdfunding für sich entdeckt haben. Zwischen dem Rotterdamer Hauptbahnhof und dem Hofbogen (ein altes Eisenbahnviadukt, das seit kurzem die Minimall beherbergt) wollen sie eine Fußgängerbrücke bauen. Der Bau der 350 Meter langen Holzbrücke beginnt auf halber Strecke, so dass das Konstrukt von der Mitte aus in Richtung Start- und Endpunkt wächst. Die Finanzierung will man durch den Verkauf einzelner Bretter sichern, in die der Name des jeweiligen Wohltäters graviert wird – ein bisschen also wie bei altmodischen Parkbänken. Bislang sind allerdings erst 20 000 der nötigen 400 000 Euro zusammen gekommen.

Wenn das klappt, sollen unter dem Projekttitel „I Make Rotterdam“ diverse Crowdfunding-Projekte folgen. Man darf gespannt sein.