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Zurück aus Dubai

Eigentlich wollte ich nie nach Dubai. All das Aufhebens um größere, schnellere, teurere Gebäude interessierte mich nicht im geringsten. Jetzt komme ich gerade zurück vom alljährlichen Treffen des Guiding Architects Network – aus Dubai und Abu Dhabi.


Skyline mit Scheichs

Nein, ich habe meine Meinung nicht geändert, muss aber zugeben: gelangweilt habe ich mich auch nicht. Dubai ist wie ein Architektur-Horrorfilm: gruselig, aber auch höchst unterhaltsam. Wie erwartet, ist alles zu groß, zu teuer, zu schnell und zuviel.

Spannend war der Kontrast zwischen Dubai, wo nach dem Boom inzwischen die Krise ausgebrochen ist, und Abu Dhabi, wo der Boom gerade erst loszugehen scheint.

Übrigens gibt es in Dubai – obwohl natürlich alles mindestens zehnmal größer ist – durchaus einige Parallelen zu den Niederlanden, von der Händlermentalität der Einheimischen über künstliches Land und vinexhafte Wohnsiedlungen bis hin zum Bauen auf Pfählen und pfannkuchenflacher Landschaft. Besonders all die von Hochspannungsmasten durchzogenen Wüstengrundstücke, auf denen eigentlich längst der Bau irgendeines Gigaprojektes starten sollte, sehen dem Neuland von IJburg kurz vor Baubeginn oft zum Verwechseln ähnlich.


IJburg oder Dubai?

Im Gegensatz zum zerfransten Wildwuchs von Dubai hat Abu Dhabi sogar so etwas wie ein Zentrum, in dem ein wenig Urbanität aufkommt. Extrem skeptisch bin ich allerdings bei Norman Fosters Ökoprojekt Mazdar City. Mit dem Hummer in die Tiefgarage fahren, um dann die letzten 100 Meter im Elektroshuttle zurückzulegen? Ich weiß ja nicht…

Nach fünf Tagen kontinuierlichen Kopfschüttelns (teils aus Entsetzen, teils aus Staunen) hat mich nun das kikkerlandje wieder und fühlt sich auf einmal sowas von authentisch an. Wer hätte das gedacht.


Dubai


Abu Dhabi


Blick vom Burj Khalifa

  1. Hinzuzufügen ist vielleicht noch der Nachbarstaat Qatar mit seiner Hauptstadt Doha.
    Dort stehen zwar auch schon einige Ikonen der Weltstars bereit, wie der (zur Zeit leer stehende) Office Tower von Jean Nouvel oder das vielgelobte Museum of Islamic Art von I.M. Pei, aber hier steht alles noch mehr am Anfang. Ein neues Stadtzentrum (Msheireb) wird gebaut und es scheint, man will aus Fehlern lernen: Mit traditionellen Bauweisen, passiver Energienutzung in einer autofreien und schattenreichen Innenstadt und das alles in einer unwirtlichen Region, wo ein Viertel des Jahres ein Aufenthalt im Freien kaum möglich ist.
    Sicher ein ehrgeiziges Konzept, das genau wie der zentrale Aldar-Souk von Norman Foster in Abu Dhabi einen ernsthaften Versuch in der Region einen anderen Weg zu gehen als selbstverliebte Spiegeltürme beziehungslos an Highways zu setzen. Insofern verdienen die drei Projekte Masdar City, Aldar und Mesheireb doch mehr Aufmerksamkeit. Wo, wenn nicht hier, wo das Öl-Geld scheinbar nicht auszugehen scheint und keine demokratischen Prozesse Entwicklungen im Sand verlaufen lassen, kann man experimentieren und eine emissionsfreie Stadt zu bauen.

    14. Februar 2012

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