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Archiv für

Verkehrsregelung auf Holländisch

An der vielbefahrenen Kreuzung funktioniert die Ampel nicht. In Deutschland stünde in der Mitte ein uniformierter Verkehrspolizist, der von der Straßenverkehrsordnung vorgeschriebene Haltungen einnimmt. Haben wir ja alle für den Führerschein gelernt: beide Arme parallel zur Fahrtrichtung = grün, ein Arm hoch und Seitwärtsdrehung = gelb, beide Arme quer zur Fahrtrichtung = rot.

In Amsterdam tummeln sich auf der Kreuzung ein Niederländer und ein Surinamese, beide in Zivil mit übergeworfener Signalweste. Niemand weiß so recht, was sie da tun. Der Niederländer fuchtelt wild, der Surinamese noch wilder, aber etwas gelenkiger. Mit Winken, Kopfnicken und lautem Trillern auf ihren Pfeifen versuchen sie, mit den Verkehrsteilnehmern zu kommunizieren. Selten weiß der eine, was der andere gerade macht. Gemeinsam mit einigen anderen Radfahrern stehe ich ratlos an der Ampel und warte. Wir grinsen uns gegenseitig an.

Sehr charmant. Ich hoffe nur nicht, dass auch die Lotsen am Flughafen Schiphol nach diesem Modell arbeiten.

Mecanoo revisited

Es gibt nicht viele Architekturbüros, die nach einer anfänglichen Avantgarde-Phase an Originalität verlieren, sich aber ein paar Jahre später wieder fangen und sich erfolgreich neu erfinden. Mecanoo ist so eins. Seit einigen Jahren bringt das Delfter Büro, das in den frühen neunziger Jahren zu den angesagtesten niederländischen Büros gehörte und dann lange im eigenen Saft vor sich hinköchelte, wieder unerwartet schöne Projekte hervor. Deren Architektur ist so weit von den Greatest Hits der 90er wie der TU-Bibliothek in Delft oder der Management-Fakultät in Utrecht entfernt, dass man sie auf den ersten Blick gar nicht als Mecanoo-Projekte erkennt. Keine Materialschlachten, keine Kompositionen aus einzeln ablesbaren Volumen mehr. Und genau das ist natürlich der Trick. Siehe das nagelneue Strandgutsammler-Museum auf der Insel Texel.

Pier von Scheveningen im Angebot

Pier mit 4 Inselfortsätzen und 1 Aussichtsturm zu verkaufen. Erstklassige Lage am Strand von Scheveningen. Spätmoderner Entwurf des Architekten Huig Maaskant. Baujahr 1961. Zustand: heruntergekommen. 1991 von der Hotel- und Gastronomiekette Van der Valk für 1 Gulden erworben und in den folgenden Jahren baulich und wirtschaftlich gründlich verhunzt. Aktueller Preis: „ein normaler Betrag“ (Van der Valk).

Blauer Vondelpark

Blues before Sunrise nennt sich eine Lichtinstallation des britischen Künstlers Steve McQueen im Amsterdamer Vondelpark, die daraus besteht, dass der gesamte Park nachts blau beleuchtet wird.

Die Fotos fand ich bisher nicht sonderlich spektakulär, habe mir nun aber sagen lassen, dass der Effekt in Wirklichkeit viel intensiver sei als auf den Bildern. Man müsse unbedingt mal nachts mit dem Fahrrad durch den Park fahren. Noch bis 24. März gibt es dazu Gelegenheit.

Nachtrag: Und schon ist’s vorbei… Angeblich war die blaue Beleuchtung eine Gefahr für den Fahrradverkehr. Trotz Warnschildern hat ein Radfahrer eine Gehirnerschütterung und mehrere ausgeschlagene Zähne davongetragen. Also hat der Stadtteil bereits vier Tage vor dem offiziellen Termin den Stecker gezogen.

Schließfächer

Sehr unterhaltsam: Sticker auf den Turnhallen-Schließfächern einer Schule in Baarn.

Entworfen von Lab3 – und nominiert für den Frame Moooi Award 2012.

Architekturbiennale im Fernsehen

Im niederländischen Fernsehen gibt es viel Mist. Schließlich hat die Welt den Niederlanden die Firma Endemol zu verdanken, die sie mit einem nicht enden wollenden Strom von Casting- und Realityshows versorgt. Aber mit dem niederländischen Fernsehen ist es wie mit dem deutschen Wein: Die Qualitätsprodukte bleiben als wohlgehütetes Geheimnis im Land, der Schrott wird exportiert.

Wirklich sehenswerte Sendungen – von der Sorte, die man in vielen anderen Ländern mit der Lupe suchen muss – gibt es vor allem beim Sender VPRO (man schaue sich nur mal das Design der Website an!). Ebendieser Sender wird nun auch ein Begleitprogramm zur Architekturbiennale in Rotterdam bringen, die am 19. April beginnt. Sie steht dieses Jahr unter dem Motto „Making City„, und ihr Programm sieht vielversprechend aus. Im Fernsehen gibt es dazu vom 16. bis 30. April die Themawochen „Leve de Stad“. Was es genau zu sehen gibt, steht leider noch nicht auf der Website, aber auf jeden Fall werden sich die Sendungen De Slag om Nederland, Tegenlicht und Andere Tijden mit Themen wie Schrumpfung und Migration beschäftigen, und auch die Fernsehzeitschrift VPRO Gids soll sich um die Biennalethemen drehen.