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Beiträge aus der Kategorie ‘architektur’

Stedelijk Museum eröffnet

Am vergangenen Wochenende wurde endlich das Stedelijk Museum wiedereröffnet – mit dem neuen Anbau von Benthem Crouwel Architecten, der in Amsterdam bereits jetzt als die ‚Badewanne‘ bekannt ist. Was ich von dem weißen Hochglanzobjekt (und all den anderen neuen An- und Umbauten von Amsterdamer Museen) halte, kann man in der aktuellen Baunetzwoche lesen.


Foto: John Lewis Marshall

Funkstille

Es ist mal wieder sehr still geworden in diesem Blog… In der Hochsaison für Architekturführungen bleibt einfach keine Zeit. In den kommenden zehn Tagen werden mein Guide-Team und ich insgesamt 45 Deutsche, 15 Schweizer, 11 Schweden, 120 Norweger und 21 Dänen teils mehrtägig durch die niederländische Architekturwelt geleiten. Ich verspreche hoch und heilig, danach wieder mehr zu posten…

Siedlung II beim NAi

Rund um das NAi stehen seit kurzem viele kleine orangefarbene Zelte. Fußballdeko? Jein. Für das Zomer in het NAi-Programm haben Caro Baumann und Johannes Scheele vom Rotterdamer Büro MorePlatz ihr Projekt Siedlung aus dem Jahr 2000 ausgemottet. Damals standen die Zelte an verlassenen Bahnsteigenden am Münchener Hauptbahnhof, als Blickfang im Niemandsland und Illusion einer Besiedlung. Jetzt zieren sie Teich und Wiese vor dem NAi – kein ganz so vergessener Ort, aber im Eurosommer doch irgendwie passend.

Overhoeks-Turm wird temporäres Museum

Na bitte, geht doch. Endlich ist zumindest eine temporäre Funktion für den Overhoeks-Turm gefunden. Das Hochhaus aus den späten Sechzigern, in dem früher Shell saß, thront neben dem EYE Film Institute am Ufer des IJ. Seit Shell seine Labors vor einigen Jahren ein paar hundert Meter weiter nach Westen verlagerte, stand der Turm mit dem markanten Krönchen leer.

Nun wird er den Sommer über eine Ausstellung zum Thema Nachhaltigkeit beherbergen, mit Beiträgen von u.a. 2012 Architecten, Jurgen Bey, John Körmeling, Piet Hein Eek und We Make Carpets. Eröffnung ist am 29. Juni.

Bottom-up Glamour

‚Popo hoch‘ ist das neue Motto in den Niederlanden. In der Wirtschaftskrise sind ‚Bottom up‘-Strategien auf einmal der letzte Schrei. An allen Ecken wird gestadtgärtnert, werden temporäre und/oder aus Restmaterialien gebaute Pavillons in den öffentlichen Raum gestellt, werden an ehemaligen Unorten Cafés oder Restaurants eröffnet. Gemeinden und Politiker sind begeistert und geloben Unterstützung. Das ist einerseits schön, birgt aber andererseits die Gefahr, dass Bottom-up zu einer billigen Ausrede dafür wird, dass Staat und Gemeinden sich immer mehr aus der Verantwortung stehlen. Jahrelang konnte kein Projekt kommerziell genug sein, konnte Baugrund gar nicht teuer genug verkauft werden und wurde kein Stückchen Stadt herausgerückt. Aber nun, da das Geld fehlt, verkündet eine Vertreterin des Rotterdamer Stadtrats gestern auf einmal, dass sie die Anlage von Stadtäckern fördern will.

Damit mich jetzt keiner falsch versteht: Bottom-up macht Spaß und ist im Prinzip großartig – nur nicht, wenn es instrumentalisiert wird. Natürlich ist es mehr als lobenswert, wenn Anwohner auf dem Müllerpier einen Park anlegen, weil die Brache am Kopf des Piers in den nächsten Jahren nicht bebaut werden wird. Damit wird ein Stück öffentlicher Raum geschaffen, von dem alle etwas haben und der gut funktioniert. Aber zur Zeit applaudieren die Gemeinden einfach wahllos bei allem, was sie kein Geld kostet und ihnen einen Grund verschafft, die Verantwortung an den einzelnen Bürger abzutreten. Urbaner Kopfsalat als Lösung für die Wirtschaftskrise? In Kuba mag das Hand und Fuß haben, aber in den Niederlanden?

Eine etwas andere Herangehensweise an Bottom-up vertritt die Architektin Saskia Beer mit ihrer Initiative Glamourmanifest. Sie hat sich eines der zahlreichen trostlosen Büroviertel im Südosten Amsterdams angenommen, in denen viel Büroraum leer steht und abends die Bürgersteige hochgeklappt werden. Dort verteilt sie goldene Gartenzwerge, um auf Problemstellen mit Potenzial hinzuweisen, veranstaltet Blumenzwiebelpflanzfestivals, lockt mobile Espressobars in die Bürowüste. Der Unterschied zu anderen Initiativen ist, dass Glamourmanifest nicht im geringsten nach Protest riecht. Im Gegenteil: Beer bezieht Makler und Projektentwickler erfolgreich in ihre Veranstaltungen ein (wobei es vermutlich helfen dürfte, dass jede Glamourmanifest-Aktivität mit Champagner begossen wird). Damit hat Beer eine clevere Nische aufgetan: Bottom-up ohne antikommerzielle Haltung. Ich prophezeie ihr eine goldene Zukunft.

Essbare Architektur

In der Hauptsaison für Architekturführungen komme ich nicht oft zum Bloggen… Aber diesen Wettbewerb muss ich hier doch ankündigen. Anlässlich des Amsterdamer Architektenballs, der dieses Jahr zum zweiten Mal stattfindet (obwohl man sich durchaus fragen kann, was die niederländische Architektenschaft derzeit zu feiern hat), findet die Appetizing Architecture Competition statt. Es geht darum, ein essbares Modell zum Thema „Food & The City“ herzustellen. Bis zum 1. Juni kann man Ideen auf Papier einreichen, dann werden 10 Beiträge zur Ausarbeitung als Modell nominiert. Diese werden am 22. Juni beim Architektenball und am 24. Juni bei der Food & Architecture Fair präsentiert – das Modellbaumaterial sollte also mindestens drei Tage lang appetitlich bleiben. Der Gewinner erhält 1000 Euro.

5e IABR

Die Presseeröffnung der 5. Internationalen Architekturbiennale in Rotterdam litt gestern ein wenig unter schlechtem Timing. Allzu viele internationale Journalisten hatte es nicht nach Rotterdam verschlagen, denn viele waren bereits vor zwei Wochen bei der Eröffnung des EYE Film Institute in Amsterdam gewesen, und außerdem findet gerade der Salone del Mobile in Mailand statt. Harte Konkurrenz im Terminkalender.

Hat die abwesende Presse etwas verpasst? Teils, teils. Dieses Jahr steht die Biennale unter dem Motto „Making City“. Drei „Test Sites“ in Istanbul, São Paulo und Rotterdam bilden den roten Faden der Hauptausstellung im NAi, in der außerdem 23 Projekte aus aller Welt rund um das Thema „Stadt machen“ gezeigt werden. Wie üblich ist die Schau recht textlastig und führt verschiedene Themen zusammen, die in den letzten Jahren durch die Fachpresse geisterten: Bottom-up-Strategien, sozial engagierte Architektur, Wachstum, Schrumpfung, Globalisierung und, und, und – das ganze urbane Programm eben. Das ist zwar alles nicht neu, wird aber hier in geballter Form und mit Schwerpunkt auf Bewohnerpartizipation präsentiert und bietet deshalb einen guten Überblick über das Thema Stadt und die damit verbundenen Herausforderungen.

Ein bisschen dünn wirkt im Vergleich das Rotterdamer Projekt „I / We / You Make Rotterdam„, kuratiert von ZUS Architecten. Es spielt sich rund um den Schieblock ab, einen Büroblock aus den sechziger Jahren, der von ZUS vor dem Abriss gerettet wurde und nun von zahlreichen kleinen Kreativbüros bevölkert wird. Eingeklemmt von der Verkehrsader Weena und den Bahngleisen, steht der Schieblock in einer der rümpeligsten vergessenen Ecken von Rotterdam. Nun gibt es dort einen temporären Biergarten, Pop up Stores, einen Gemüsegarten auf dem Dach, eine Holzwerkstatt, in der aus Restmaterialien Stadtmöbel gezimmert werden, sowie zwei kleine Ausstellungen. Alles sehr nett und auch sicher sehr gut für Rotterdam, aber nichts, was man nicht schon mal gesehen hätte. Im Programm einer Biennale würde man sich doch ein paar wirklich neuartige Ideen wünschen und nicht nur Neuauflagen von Projekten, die sich in Berlin, London oder New York bereits bewährt haben. Einzig der Luchtsingel ist tatsächlich originell, denn vermutlich ist er das erste Bauwerk, das durch Crowdfunding zustande kommt. Das erste Stück entsteht derzeit vor dem Schieblok, an der Schiekade. Sehr hübsch! Hier kann man sein Scherflein beitragen: www.imakerotterdam.nl