Zum Inhalt springen

Beiträge aus der Kategorie ‘horeca’

Holländische Eiscrème

Die Amsterdamer haben ihre Vorliebe für Eissalons entdeckt. Ja, das kommt etwas spät – im Vergleich zu Deutschland, wo italienische Gastarbeiter seit der Nachkriegszeit eine hervorragende Grundversorgung mit Eis und Pizza garantierten. Hier gab es das nicht, und bis vor ein oder zwei Jahren musste man leckeres Kugeleis mit der Lupe suchen. Aber jetzt eröffnet auf einmal ein designiger Eissalon nach dem anderen, als da wären:

IJScuypje: Eiscrème aus eigener Produktion nach alten holländischen Rezepten, mit Filialen an der Prinsengracht/Ecke Elandsgracht, Eerste van der Helststraat (De Pijp), Haarlemmerdijk und Amstelveenseweg.

Pisa IJs: alteingesessener echter Italiener am Scheldeplein, seit kurzem auch mit schickem Ableger in der Eerste van der Helststraat beim Albert Cuypmarkt.

Frozz: Frozen Yoghurt in der Utrechtsestraat und am Rokin

• Dutch Homemade: Pralinen und Eis aus Biozutaten auf der Rozengracht.

Lokalpatriotisch warm ums Herz wird mir aber vor allem bei Frozen Dutch, den Eisproduzenten mit Sinn für Verpackungsdesign und ungewöhnliche Geschmackskombinationen in Amsterdam-Noord, über die ich hier schon einmal berichtet habe. Kaufen kann man Frozen Dutch z.B. bei Marqt und Landmarkt. Wo bleibt die Frozen-Dutch-Eisdiele?

Essbare Architektur

In der Hauptsaison für Architekturführungen komme ich nicht oft zum Bloggen… Aber diesen Wettbewerb muss ich hier doch ankündigen. Anlässlich des Amsterdamer Architektenballs, der dieses Jahr zum zweiten Mal stattfindet (obwohl man sich durchaus fragen kann, was die niederländische Architektenschaft derzeit zu feiern hat), findet die Appetizing Architecture Competition statt. Es geht darum, ein essbares Modell zum Thema „Food & The City“ herzustellen. Bis zum 1. Juni kann man Ideen auf Papier einreichen, dann werden 10 Beiträge zur Ausarbeitung als Modell nominiert. Diese werden am 22. Juni beim Architektenball und am 24. Juni bei der Food & Architecture Fair präsentiert – das Modellbaumaterial sollte also mindestens drei Tage lang appetitlich bleiben. Der Gewinner erhält 1000 Euro.

The Exchange, Stock und Options

Besucher, die mit dem Zug in Amsterdam ankommen und vom Bahnhof aus zu Fuß in Richtung Dam gehen, erwartet kein sehr erbaulicher Spazierweg. Während auf der linken Straßenseite ein Hafenbecken und die Berlage-Börse liegen, säumen ramschige Souvenirläden, Spielhallen, Billighotels und Fastfoodrestaurants die rechte Seite – auf der der breite Fußweg verläuft.

Jetzt gibt es aber wenigstens einen einzelnen Lichtblick in all dem haschparfümierten Neonschrott. Denn auf halbem Weg zwischen Bahnhof und Dam hat das Lloyd Hotel einen Ableger namens The Exchange eröffnet, dessen 61 Zimmer von Studenten des Amsterdam Fashion Institute ausgestattet wurden. Ebenso wie im Mutterhaus, haben die Zimmer 1 bis 5 Sterne. Das wäre für Passanten noch nicht allzu spannend, aber im Erdgeschoss des angrenzenden Gebäudes führen die Hotelbetreiber außerdem ein designiges Café-Restaurant namens Stock und nebenan einen Laden namens Options, in dem es allerlei Designobjekte vom Schal bis zum Stuhl gibt. Eigentlich ist dort so ziemlich alles versammelt, was in den letzten Jahren durch die Designblogs geisterte, wobei der Schwerpunkt deutlich auf niederländischem Design liegt. Der Droogshop wird sich warm anziehen müssen.

Skylounge

Skylounge im Mint Hotel: Boah, was für eine Aussicht.

Von außen ist der neue Hotelbau auf dem Oosterdokseiland zwar keine Schönheit, aber die Skylounge im 11. Stock bietet den besten Blick über die Stadt, seit das PostCS-Gebäude abgerissen wurde. Außerdem wird der Kaffee mit sehr ordentlichen Pralinen, Keksen und Macarons serviert. Letztere sind aus irgendeinem Grund plötzlich der letzte Schrei in Amsterdam, aber das ist ein anderes Thema.

Amsterdam schläft

Alles andere als ein Hotelführer und bislang (bin aber gerade erst auf Seite 17) höchst unterhaltsam ist Amsterdam Slaapt, ein Selbstversuch und daraus hervorgegangenes Buch von Vincent van Dijk. 2010 hat van Dijk all sein Hab und Gut verkauft, um ein Jahr lang jede Nacht in einem anderen Amsterdamer Hotel zu schlafen. „Ein Jahr ohne eigene Wohnung. Wohnen in 365 verschiedenen Hotels. Alle haben mich für verrückt erklärt, und jetzt merke ich, dass sie recht hatten. Das kann kein Mensch ertragen. Diese Unruhe und Regelmäßigkeit. Der Koffer starrt mich verschreckt an.“ Hübsch lakonische Beobachtungen über den unterschwelligen Horror von Luxushotels, in denen die Klospülung nicht funktioniert, unnötige Heteroängste im Homohotel sowie die Tokyohaftigkeit von minimalen Designzimmern.

Nächste Woche werde ich Vincent van Dijk interviewen. Natürlich in einer Hotelbar, wo sonst.

Merkelbach

Für das kleine Sanssouci-Gefühl in Amsterdam: ein morgendlicher Kaffee auf der Terrasse des Restaurant Merkelbach im Herrenhaus Frankendael in Watergraafsmeer. Ah!

Türkische Grachten

Mannmannmann… Das Orange County Hotel in Kemer (Türkei) ist eine Amsterdam-Replik, aber mit Bergblick, deutlich höherer Außentemperatur und (hoffentlich) chlorhaltigerem Wasser.

via NL Architects

Restaurant Stork

Ah, endlich Sommer! Das musste gestern Abend gleich ausgenutzt werden, und so war ich zum ersten Mal im Restaurant Stork, in einer alten Maschinenhalle am IJ in Amsterdam-Noord.

Das Essen war allerdings gelungener als das Interieur. Letzteres zeugt etwas zu sehr davon, dass die Betreiber sich von der Rauhheit der Industriehalle haben einschüchtern lassen. Wieso sonst sollte man diesen Ort mit überdesignten Plastikstühlen und Topfpflanzen verniedlichen? Wie man das besser macht, hätten sie sich gleich um die Ecke beim Hotel de Goudfazant anschauen können.

Draußen sitzt man dafür sehr schön direkt am Wasser, mit Blick auf die Rückseite des Java Eiland, unter einem mit Sonnensegeln bespannten, rostigen alten Stahlgerüst. Dazu Kabeljau und Languste auf Linsensalat und ein Glas Weißwein – fertig ist der perfekte Sonntagabend.

REM-Eiland

Nun ist das REM-Eiland also unterwegs. Am Wochenende wird es über das IJsselmeer von Delfzijl nach Amsterdam fahren, um fortan in den Houthavens als Restaurant zu dienen.

In den sechziger Jahren wurde auf dem Konstrukt, das damals mitten in der Nordsee thronte, der erste private und damit noch illegale Fernsehsender der Niederlande betrieben. Danach mutierte die Sendepirateninsel zur Messstation von Rijkswaterstaat, wurde aber 2006 ausgemustert, zerlegt und an Land verstaut. Bis die Wohnungsbaugesellschaft De Key gemeinsam mit einem Amsterdamer Gastronomie-Unternehmer beschloss, ihr neues Leben als Restaurant- und Bürobau einzuhauchen. Zu diesem Zweck wurde das REM Eiland in den letzten anderthalb Jahren in Delfzijl umgebaut und dabei (ob das eine gute Idee war?) um ein Geschoss aufgestockt. Der Entwurf stammt von (Überraschung!) Concrete Architectural Associates.

Im untersten Geschoss des Bauwerks, das auf 10 Meter hohen Stützen steht, werden sich Büroräume befinden, darüber ein Ausstellungsraum und auf den beiden obersten Geschossen das Restaurant. Hoffentlich wird es nicht wieder so ein typisches Concrete-Restaurant – überloungiges Interieur und überhippes Publikum, mittelmäßiges Essen, desinteressierte Bedienungen, saftige Preise  –, denn davon gibt es in Amsterdam wahrlich genug. Da aber der Betreiber früher Besitzer des benachbarten Restaurants Pont 13 war, gibt es durchaus Grund zur Hoffnung, dass das Restaurant seiner Behausung gerecht werden könnte. Die Eröffnung ist für Anfang Mai geplant.

Stinkekäse

Auf dem Ten Katemarkt, wo jeden Tag die Mittagessenszutaten für mein Büro besorgt werden, steht seit Menschengedenken Herman mit seinem Käsestand. Herman ist um die siebzig, hat kaum mehr Käsesorten im Angebot als man an einer Hand abzählen kann und verdient sein Geld eigentlich mit den Energiedrinkdosen, die er ebenfalls verkauft. Dafür ist sein Käse billig und gut. Nur der leckere boerenkaas, den es immer bei ihm gab, fehlte neulich auf einmal. Das war ein echter boerenkaas, dessen Aroma einem scharf in die Nase stach, wenn man ihn aus dem Wickelpapier holte – so gar nicht wie beim Plastikkäse von Albert Heijn. Auf die Frage, weshalb er den Käse nicht mehr habe, hatte Herman eine einfache Antwort: „Der hat so gestunken. Das mochten die Kunden nicht.“ Vermutlich sind die Niederlande das einzige Land, in dem ein Käsestand besser nicht nach Käse riechen sollte.