Zum Inhalt springen

Essbare Architektur

In der Hauptsaison für Architekturführungen komme ich nicht oft zum Bloggen… Aber diesen Wettbewerb muss ich hier doch ankündigen. Anlässlich des Amsterdamer Architektenballs, der dieses Jahr zum zweiten Mal stattfindet (obwohl man sich durchaus fragen kann, was die niederländische Architektenschaft derzeit zu feiern hat), findet die Appetizing Architecture Competition statt. Es geht darum, ein essbares Modell zum Thema “Food & The City” herzustellen. Bis zum 1. Juni kann man Ideen auf Papier einreichen, dann werden 10 Beiträge zur Ausarbeitung als Modell nominiert. Diese werden am 22. Juni beim Architektenball und am 24. Juni bei der Food & Architecture Fair präsentiert – das Modellbaumaterial sollte also mindestens drei Tage lang appetitlich bleiben. Der Gewinner erhält 1000 Euro.

5e IABR

Die Presseeröffnung der 5. Internationalen Architekturbiennale in Rotterdam litt gestern ein wenig unter schlechtem Timing. Allzu viele internationale Journalisten hatte es nicht nach Rotterdam verschlagen, denn viele waren bereits vor zwei Wochen bei der Eröffnung des EYE Film Institute in Amsterdam gewesen, und außerdem findet gerade der Salone del Mobile in Mailand statt. Harte Konkurrenz im Terminkalender.

Hat die abwesende Presse etwas verpasst? Teils, teils. Dieses Jahr steht die Biennale unter dem Motto “Making City”. Drei “Test Sites” in Istanbul, São Paulo und Rotterdam bilden den roten Faden der Hauptausstellung im NAi, in der außerdem 23 Projekte aus aller Welt rund um das Thema “Stadt machen” gezeigt werden. Wie üblich ist die Schau recht textlastig und führt verschiedene Themen zusammen, die in den letzten Jahren durch die Fachpresse geisterten: Bottom-up-Strategien, sozial engagierte Architektur, Wachstum, Schrumpfung, Globalisierung und, und, und – das ganze urbane Programm eben. Das ist zwar alles nicht neu, wird aber hier in geballter Form und mit Schwerpunkt auf Bewohnerpartizipation präsentiert und bietet deshalb einen guten Überblick über das Thema Stadt und die damit verbundenen Herausforderungen.

Ein bisschen dünn wirkt im Vergleich das Rotterdamer Projekt “I / We / You Make Rotterdam“, kuratiert von ZUS Architecten. Es spielt sich rund um den Schieblock ab, einen Büroblock aus den sechziger Jahren, der von ZUS vor dem Abriss gerettet wurde und nun von zahlreichen kleinen Kreativbüros bevölkert wird. Eingeklemmt von der Verkehrsader Weena und den Bahngleisen, steht der Schieblock in einer der rümpeligsten vergessenen Ecken von Rotterdam. Nun gibt es dort einen temporären Biergarten, Pop up Stores, einen Gemüsegarten auf dem Dach, eine Holzwerkstatt, in der aus Restmaterialien Stadtmöbel gezimmert werden, sowie zwei kleine Ausstellungen. Alles sehr nett und auch sicher sehr gut für Rotterdam, aber nichts, was man nicht schon mal gesehen hätte. Im Programm einer Biennale würde man sich doch ein paar wirklich neuartige Ideen wünschen und nicht nur Neuauflagen von Projekten, die sich in Berlin, London oder New York bereits bewährt haben. Einzig der Luchtsingel ist tatsächlich originell, denn vermutlich ist er das erste Bauwerk, das durch Crowdfunding zustande kommt. Das erste Stück entsteht derzeit vor dem Schieblok, an der Schiekade. Sehr hübsch! Hier kann man sein Scherflein beitragen: www.imakerotterdam.nl

Neues von architour: offene Touren

Danke, koelnarchitektur.de! Das Webportal hat gestern einen schönen Artikel über mich und architour veröffentlicht. Diese Gelegenheit nutze ich, um gemeinsam mit koelnarchitektur.de am 23. Juni eine offene Halbtagestour durch den neuen Inselstadtteil IJburg anzubieten. Start ist um 11.30 Uhr an der Centraal Station, Ende ebendort um 16.30 Uhr. Preis: 40 Euro pro Nase, Anmeldung bei info(at)architour.nl. Die Tour findet statt, wenn sich mindestens zehn Teilnehmer finden. Also bitte zahlreich anmelden!


Blok 64 auf IJburg von Loos Architects

Außerdem bieten wir seit Kurzem via rent-a-guide.net jeden Freitagnachmittag einen zweistündigen Spaziergang über die Östlichen Hafeninseln an. Preis: 20 Euro, Anmeldung über rent-a-guide.net.

EYE Film Institute: Eröffnung

Jetzt ist es endlich so weit: Übermorgen steht die Eröffnung des EYE Film Institute in Amsterdam-Noord von Delugan Meissl an. Nachdem ich das gute Stück schon seit anderthalb Jahren jeden Tag von der Fähre aus begutachte, wird es nun öffentlich zugänglich – für mich als Bewohnerin von Noord bei Vorlage des Müllpasses (!)  sogar mit Rabatt. Ich hatte schon vor zehn Tagen die Gelegenheit, mir das Gebäude anzusehen, und muss sagen: Es ist gelungen. Siehe mein Artikel beim Baunetz sowie ein Film von architekturclips.de, für den ich Roman Delugan interviewt habe.

eye – film institute netherlands from architekturclips network on Vimeo.

Verkehrsregelung auf Holländisch

An der vielbefahrenen Kreuzung funktioniert die Ampel nicht. In Deutschland stünde in der Mitte ein uniformierter Verkehrspolizist, der von der Straßenverkehrsordnung vorgeschriebene Haltungen einnimmt. Haben wir ja alle für den Führerschein gelernt: beide Arme parallel zur Fahrtrichtung = grün, ein Arm hoch und Seitwärtsdrehung = gelb, beide Arme quer zur Fahrtrichtung = rot.

In Amsterdam tummeln sich auf der Kreuzung ein Niederländer und ein Surinamese, beide in Zivil mit übergeworfener Signalweste. Niemand weiß so recht, was sie da tun. Der Niederländer fuchtelt wild, der Surinamese noch wilder, aber etwas gelenkiger. Mit Winken, Kopfnicken und lautem Trillern auf ihren Pfeifen versuchen sie, mit den Verkehrsteilnehmern zu kommunizieren. Selten weiß der eine, was der andere gerade macht. Gemeinsam mit einigen anderen Radfahrern stehe ich ratlos an der Ampel und warte. Wir grinsen uns gegenseitig an.

Sehr charmant. Ich hoffe nur nicht, dass auch die Lotsen am Flughafen Schiphol nach diesem Modell arbeiten.

Mecanoo revisited

Es gibt nicht viele Architekturbüros, die nach einer anfänglichen Avantgarde-Phase an Originalität verlieren, sich aber ein paar Jahre später wieder fangen und sich erfolgreich neu erfinden. Mecanoo ist so eins. Seit einigen Jahren bringt das Delfter Büro, das in den frühen neunziger Jahren zu den angesagtesten niederländischen Büros gehörte und dann lange im eigenen Saft vor sich hinköchelte, wieder unerwartet schöne Projekte hervor. Deren Architektur ist so weit von den Greatest Hits der 90er wie der TU-Bibliothek in Delft oder der Management-Fakultät in Utrecht entfernt, dass man sie auf den ersten Blick gar nicht als Mecanoo-Projekte erkennt. Keine Materialschlachten, keine Kompositionen aus einzeln ablesbaren Volumen mehr. Und genau das ist natürlich der Trick. Siehe das nagelneue Strandgutsammler-Museum auf der Insel Texel.

Pier von Scheveningen im Angebot

Pier mit 4 Inselfortsätzen und 1 Aussichtsturm zu verkaufen. Erstklassige Lage am Strand von Scheveningen. Spätmoderner Entwurf des Architekten Huig Maaskant. Baujahr 1961. Zustand: heruntergekommen. 1991 von der Hotel- und Gastronomiekette Van der Valk für 1 Gulden erworben und in den folgenden Jahren baulich und wirtschaftlich gründlich verhunzt. Aktueller Preis: “ein normaler Betrag” (Van der Valk).

Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.