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IJ-dock

Das sieht man, wenn man den Blick einmal vom EYE Film Institute abwendet und nach Westen schaut: das IJ-dock (von SeArch und Dick van Gameren) im Bau.

In einem von Dutch DFA produzierten Porträtfilmchen erklärt Bjarne Mastenbroek von SeArch den Entwurf. Wie bei allen „Dutch Profile“-Filmen lohnt es sich auch hier, den einleitenden Kommentar von der aalglatten amerikanischen Voice-over-Dame über sich ergehen zu lassen, denn danach wird’s besser.

EYE Film Institute

Ei, jetzt ist es fertig, das EYE Film Institute von Delugan Meissl. So ein Anblick heitert einen Freitagmorgen im Januar doch ungemein auf. Die Mitarbeiter des Filmmuseums sind bereits eingezogen; offiziell eröffnet und öffentlich zugänglich wird das Gebäude aber erst im April.

Form und Architektur

„Wir sind sehr an Form interessiert“. Dass ich das noch erleben darf! Ein Architekt, der nicht behauptet, die Form seiner Gebäude generiere sich a) von ganz allein b) aus irgendwelchen Passantenströmen oder c) aus irgendeinem quasi-intellektuellen Denkmodell.

Der Satz stammt übrigens aus einem lesenswerten Baunetz-Interview mit NL Architects.

Portable Monuments

Portable Monuments heißt eine Ausstellung des Künstlerduos Adam Broomberg & Olivier Chanarin, die bis 18. Februar in der Galerie Gabriel Rolt in Amsterdam zu sehen ist. Offenbar haben die beiden Kriegsfotos aus der Presse in farbige Würfelkompositionen übersetzt. Hat auch irgendwas mit Brecht zu tun. So ganz kapiere ich das zwar nicht, aber schön anzusehen ist es auf jeden Fall. Vielleicht sorgt ein Ausstellungsbesuch für Klarheit.


Adam Broomberg & Olivier Chanarin, Caught on film: campaigner who asked for police identification. The Guardian, Sunday, 21 June 2009, 2011


Adam Broomberg & Olivier Chanarin, Osama Bin Laden, 1957-2011. An Emblem of Evil in the U.S., an Icon to the Cause of Terror. The New York Times, Monday, May 2, 2011, 2011

Charmante Kinderarbeit

Lucas Maassen, Designer aus Eindhoven, hat drei neue Mitarbeiter: seine Söhne Thijme, Julian und Maris. Sie sind zweimal 7 und einmal 9 Jahre alt und für die Farbgebung der Möbelentwürfe zuständig. Besonderen Reiz erhalten die Möbel durch die unfertige Ästhetik des Anstrichs, denn niederländischem Gesetz zufolge dürfen die Knirpse nur je 3 Stunden pro Woche arbeiten. Außerdem streicht jeder auch nur so hoch, wie seine Körperlänge es erlaubt – so dass man manchen Möbeln ansehen kann, ob der älteste oder die jüngeren am Werk waren.

Lucas Maassen & Sons from Lucas Maassen & Sons on Vimeo.

Tesakunst

Wer hätte gedacht, dass Tesafilmrollen so schön sein können? Man muss sie nur kopfüber aufhängen und dann ganz viel Geduld haben. Wie der niederländische Künstler Johan Rijpma.

Tape Generations from johan rijpma on Vimeo.

Niederländische Radwege

Auch ich habe Radwege in den Niederlanden stets als Selbstverständlichkeit hingenommen. Dass sie das nicht immer waren, sondern eigentlich ein Produkt der ausgeprägten Demo-Kultur der 70er sind, lehrt dieses interessante Filmchen. Wenn die Niederländer doch noch immer so protestfreudig wären…

Amsterdammütze

Die Amsterdammütze ist ein Modephänomen, das alljährlich im Herbst und Winter, ja gar bis Ostern durch die Grachtenstadt geistert. Allenthalben begegnet man jungen Menschen mit Strickmützen, wie sie früher nur peruanische Panflötisten in der Fußgängerzone trugen, verziert mit den umlaufenden Lettern „AMSTERDAM“. Meist handelt es sich bei den Trägern um Spanier oder Italiener im Alter von 18 bis 25 Jahren, die das touristische Modestatement mit großen Sonnenbrillen und filzigen Rastalocken zu kombinieren wissen. Die Homogenität der Trägergruppe ist nicht verwunderlich, machen diese jungen Südländer doch gefühlte 90% der Besucher aus, die sich in den Wintermonaten nach Amsterdam verirren. Milde mediterrane Temperaturen gewöhnt, friert es sie in den nasskalten Niederlanden rasch am Kopfe, während sie von Coffeeshop zu Coffeeshop ziehen. Da sie jedoch keine wärmende Kopfbedeckung besitzen, müssen sie eine solche in einem der vielen Souvenirläden am Damrak oder auf den Wallen erwerben.

So bildet die Amsterdammütze ein Pendant zur Urlaubsmode, die Niederländer (ebenso wie Deutsche) in den Sommermonaten an der Costa Brava, Blanca oder del Sol zur Schau tragen. Schwitzt der gemeine Nordeuropäer bereits bei 27°C und wirft deshalb auch in der Großstadt alles außer bunten Bermudashorts und Flipflops von sich, so fröstelt der Südländer eben schon bei milden 12°C und bedarf einer Wollmütze. Vielleicht rächt er sich sogar bewusst mittels Mützenwahl für die Modesünden, die Angehörige der Gattung homo touristicus in seinem Heimatland begehen? Ach, vermutlich hat der Genuss von Cannabis einfach keinen besonders positiven Einfluss auf das Modebewusstsein.

Gesocksdorf

So langsam wird das hier zum Skandalblog. Nach KZ-Design und künstlerischen Gefängnisvisionen jetzt das: tuigdorp ist zum Van Dale Wort des Jahres 2011 ernannt worden.

Übersetzt heißt tuigdorp soviel wie „Gesocksdorf“, ist aber auch ein Wortspiel auf tuindorp, also Gartenstadt. Van Dale – wohlgemerkt das niederländische Pendant zum Duden – definiert es als „abgelegener Ort, der als Wohnstätte für Wiederholungstäter und ähnliche eingerichtet ist“. Und auf wessen Mist ist dieser schöne Begriff gewachsen? Richtig, Geert Wilders, wer sonst. Er schlug im Februar vor, auf dem platten Land Siedlungen aus Wohncontainern zu bauen, in denen Wiederholungstäter interniert werden sollen. Ist der Übeltäter minderjährig, soll seine gesamte Familie in Sippenhaft genommen werden. „Steckt all das Gesindel zusammen“, so Wilders.

Kim Jong Il und Adolf Hitler hätten applaudiert. Ebenezer Howard wohl eher nicht.

Vergessliche Architekten

Im Blog der Architect’s Newspaper gibt es endlich mal eine angenehm unaufgeregte Reaktion auf die in Wolken gehüllten Zwillingstürme von MVRDV, die in den letzten Tagen die amerikanischen Gemüter erhitzten. „They didn’t do it on purpose. They are just architects, after all, and architects sometimes forget to reflect on their designs in terms of, say, the War on Terror…“

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